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Wie geht christlich und sozial!

 

Zu diesem Thema fanden sich anlässlich der Dekanatsvisitation Landesrätin Birgit Gerstorfer, Bischof Manfred Scheuer, Direktorin der Diakonie Österreichs und Caritasdirektor von Linz Franz Kehrer zusammen. Im Bräuhaus Eferding gab es Statements, Podiumsdiskussion und Anfragen der BesucherInnen.

Extrem spannend!

Ich hoffe auf eine Zusammenfassung der Diözese oder in der Kirchenzeitung, deren Chefredakteur Matthäus Fellinger die Veranstaltung moderierte.

Heute war ich zum dritten Mal in Aschach unterwegs zwecks Caritas-Haussammlung.

Manche sind nicht zu Hause, manche machen nicht auf … aber erstaunlich: alle, die die Tür aufgemacht haben, haben heute auch gespendet: 5, 10 oder 20 Euro.

Alle waren freundlich.

Einlanges Gespräch habe ich geführt im Wohnzimmer, zwei auch nicht kurze zwischen Tür und Angel, einmal habe ich das Beileid ausgesprochen für inen kürzlich verstorbenen Ehemann/Opa …

 

Ja, man geht sammeln.

Aber im Grunde ist es Seelsorge.

Seelsorge pur.

Die Menschen der Pfarre besuchen, von Haus zu Haus.

 

Liebe Mit-Seelsorger/innen, nehmt euch die Zeit und geht selber sammeln in euren Pfarrgebieten, zumindest in ein, zwei Straßen.

Ihr geht dabei erstens mit gutem Beispiel voran für eure Sammler/innen, und zweitens freuen sich die Schäfchen über euren Besuch.

Freu mich über eure Rückmeldungen und Erfahrungsberichte!

Predigt zum heutigen Sonntagsevangelium Joh 13, 31-35

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Liebe – was ist das? Das weiß doch jeder, oder?

In unserer Sprache haben wir nur ein Wort für alles, im Griechischen, der Sprache, in der das Neue Testament ursprünglich geschrieben wurde, gibt es verschiedene Wörter für die verschiedenen Bedeutungsnuancen.

Eros, lat. Amor – die leidenschaftliche Liebe zwischen Liebespaaren

Agape – Hingabe, selbstlose Liebe im Einsatz für andere

caritas ist nicht identisch, hat eher den Aspekt des Sorgens, care im Englischen

Philia – amicitia – Freundesliebe

Solidarität, Zusammenhalten

 

Liebe hat was mit Gefühl zu tun – aber nicht nur.

Es geht auch um eine Willensentscheidung.

Ich kann einen Feind – nicht gern haben, aber anständig und respektvoll behandeln und ihm helfen, wenn es nötig ist. Jesus verlangt ja von uns: Liebt eure Feinde – tut Gutes denen, die euch hassen – das drückt es genau aus.

 

Jesus fordert uns auf: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.

 

Geht das überhaupt?

Sind wir da nicht überfordert?

Schließlich sind wir nicht Jesus.

 

Wie hat denn Jesus geliebt?

 

Jesus ist voller Achtung für jede/n.

Er begegnet den Menschen auf Augenhöhe – nicht so in der Art: Ihr seid die Armutschkerl, und ich zeige euch, wo es langgeht, ohne mich könnt ihr nichts … so von oben herab – wir kennen bestimmt solche Leute, die in diesem Stil helfen. Solche Liebe, Hilfe, demütigt.

Jesus macht das nicht.

Sehr vornehm, Hilfe zur Selbsthilfe …

 

Jesus hilft bedingungslos.

Stellen wir nicht allzu oft Bedingungen auf, unter denen wir zu helfen bereit sind?

Wir suchen uns aus, wem wir helfen – und gehen noch dazu mit unserer Liebe äußerst sparsam um.

 

Jesus gibt die Hoffnung nie auf, dass seine Liebe Wirkung zeigt.

Wir geben Menschen auf.

 

Wir geben auch selber auf, uns selber gegenüber.

 

Jesus traut jedem Menschen das Beste zu, ungeachtet der Vergangenheit.

Er sieht immer unser höchstes Potential, die guten Möglichkeiten, wozu wir   eintretenden Fall fähig wären.

Ein modernes Sprichwort sagt: Jemanden lieben heißt, in/sie so sehen, wie Gott ihn /sie gemeint hat.

 

Dazu ein Beispiel:

 

In einer staatlichen Schule in einem Armenviertel New Yorks gab es ein 25jähriges Klassentreffen vom Grundschulabschluss. Einer der Jubilare war erfolgreicher bekannter Journalist geworden.

Seine ehemalige Klassenlehrerin ging in diesem Jahr in Pension, und es waren viele ihrer ehemaligen Schüler und Schülerinnen gekommen.

Im Lauf der Feier stellten die Teilnehmenden erstaunt fest, dass sehr viele von ihnen College und Universität besucht hatten, bekannte ÄrztInnen, Universitätsprofessoren, Forscher, Rechtsanwälte, Geschäftsleute und auch PolitikerInnen geworden waren.

Die Absolventen anderer Klassen waren z. T. Schulabbrecher, Kriminelle, Arbeitslose, oder Fabrikarbeiter oder Menschen geworden, die geradeso eben ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten.

Höchst erstaunlich für die heruntergekommenen öffentliche Grundschule in Harlem…

Der Journalist beschloss eine Story zu schreiben. Schnell kam er dem Geheimnis auf die Spur.

Die Lehrerin hatte jedem/r einzelnen Schüler/in vermittelt, dass er/sie jeweils etwas ganz Besonderes sei, spezielle individuelle Begabungen habe, die es sich zu entfalten lohnte. In jedem Kind sah sie die höchsten Möglichkeiten, wozu es fähig sein könnte, wozu der junge Mensch es bringen könnte. So gab sie ihnen Mut, diese auch zu verwirklichen.

 

Wir spüren: wenn alle so lieben würden, würde sich das Aussehen der Erde tatsächlich verändern.

Und dann machen wir uns Sorgen, dass wir das nicht schaffen. Alle, mit denen wir es zu tun bekommen, so sehen, ihre besten Möglichkeiten …

 

Vielleicht reicht es, wenn wir nur so wie er lieben wollen, es versuchen – und den Rest ihm überlassen.

Immerhin versuchen könnten wir es einmal.

 

Predigt                                                          So., 31. 3. 2019, 9.15 Aschach

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Das Gleichnis aus dem Lukasevangelium, das wir eben gehört haben, ist nicht nur einer der bekanntesten Texte unter Christen, sondern ist weltweit bekannt, gehört praktisch zur Weltliteratur.

Und da wir heute diesen Gottesdienst auch als Sendungsgottesdienst für die Caritas-Haussammler/innen feiern: Gäbe es sie nicht bereits, müsste man diese Geschichte von seiten der Caritas erfinden.

 

Der jüngere Sohn ist erstens an seiner Notlage selber schuld.

Zweitens kehrt er bemerkenswerterweise nicht zu seinem Vater zurück, weil er plötzlich große Sehnsucht nach seiner Familie verspürt, sondern schlicht und einfach, um nicht zu verhungern.

Dann bekommt er nicht nur gerade das Notwendigste, sondern wird als Mitglied der Familie wertschätzend wieder aufgenommen.

Und viertens regt sich sofort jemand auf, der eigene Bruder, bei dem, der geholfen hat, dass es ihm wieder gut geht.

 

Mit all dem ist die Caritasarbeit ständig konfrontiert.

Viele helfen leichter und lieber, wenn Menschen unverschuldet in Not geraten sind, aufgrund einer Katastrophe, Brand, Unfall, Krankheit … Das ist oft ganz wichtig bei der Berichterstattung in den Medien, bei Hilfs- und Spendenaufrufen.

Wenn da wer „selber schuld“ ist, auch nur vermeintlich, schaut die Sache schon anders aus. -Aha, der war eingesperrt, die haben sich scheiden lassen, da sind Drogen, Alkohol, Spielsucht die Ursachen, oder die Menschen, die ihr Land wegen der dort herrschenden Not oder wegen des Krieges verlassen …….…man hört sogar den Ausspruch „Ich bin ja nicht die Caritas“

Nun: Wir sind die Caritas, die ist in jeder Pfarre zu finden.

 

Die Caritas hilft allen, da wird gar nicht mehr gefragt, ob das Christen sind, ja wenn die alle wenigstens in die Kirche gehen würden! – Der Vorwurf ist auch zu hören.

Gottseidank ist das seit mehreren Jahrzehnten so, dass man nicht Kirchgänger sein muss, um Hilfe zu erfahren.

Das Kriterium, ob jemandem geholfen wird, ist die Notlage, dass es ein Mensch ist, der oder die Hilfe braucht. Sonst nichts.

 

Die diözesane Organisation der Caritas arbeitet – auch seit mehreren Jahrzehnten – höchst professionell. Durchdacht, strukturiert und wissenschaftlich und weltanschaulich, christlich theologisch fundiert.

Das christliche Menschenbild kennt nur Familienmitglieder auf Augenhöhe. Eine Hilfe von oben herab, so ein bisschen Almosen auf der Basis „mei bist du arm“, wo es Underdogs gibt, die irgendwie doch nicht so ganz dazugehören, weil man für sie sorgen muss, weil sie selbstständig nicht über die Runden kommen, weil sie das gesellschaftliche schöne Bild – alles perfekt, gesund, wohlsituiert – stören … so etwas kommt nicht in Frage.

Der ältere Bruder, der ordentliche brave Bürger, hätte sich, denke ich, nicht aufgeregt, wenn der abgesandelte Heimkehrer tatsächlich als Tagelöhner hätte arbeiten müssen.

 

Jesus erzählt dieses Gleichnis ja gerade deswegen, weil die damaligen „Guten“ es in keiner Weise eingesehen haben, dass die Zöllner und Sünder die gleichen Chancen bei Gott haben, von Jesus Zuwendung und Heil erfahren – geschenkt bekommen und nur anzunehmen brauchen. Ja, sie sind besser dran, weil sie ihre Chance wahrnehmen, annehmen, was Gott als Geschenk anbietet.

 

Der ältere Bruder im Evangelium ist so wie die Schriftgelehrten und Pharisäer damals hartherzig, weil er ständig nur mit der eigenen Kraft unterwegs ist, und die ist eben beschränkt. Er hat gar nicht gesehen, dass alles zur Verfügung steht – nicht nur die Ziege, die er nicht geschenkt bekam.

 

Wer im Bewusstsein, reich beschenkt zu sein, durchs Leben geht, gibt gerne weiter, möchte, dass es anderen ebenso gut geht wie einem selber. Das ist das eigentliche Wesen und Geheimnis der Spiritualität, der Caritas – Liebe. Nicht aus bitterem moralinsauren Pflichtbewusstsein, weil die Welt so schlecht ist, muss ich helfen, damit ich ein guter Mensch bin, und eigentlich kann ich eh nicht mehr, was soll i nu ois tuan  … sondern aus überfließender Fülle … und das kommt vorher, und die Fülle Gottes hört nie auf, der 2. Sohn hat 2 x alles bekommen – wir müssen es uns zuerst richtig gut gehen lassen, dann ist Hilfe möglich. Man kann nur geben, was da ist …

 

Die Frage an uns, Brüder und Schwestern, lautet: Zu welcher Personengruppe wollen wir gehören? Das Angebot Gottes an uns, jederzeit Barmherzigkeit, Beschenktsein, Liebe zu erleben, gilt. Nehmen wir es an?!

Spüren wir so eine tiefe Dankbarkeit für alles, was unseres ist …und dann geben wir für Menschen in Not was recht ist.

Caritastreffen in der Stadtpfarre Eferding.

Wo kann wem wie so rasch und gut wie möglich geholfen werden?

Trotz vielfältigen Angebots fallen dennoch immer wieder Menschen “durch den Rost”.

Unkompliziert und effektiv – das wäre ein schönes Ziel.

Leute, traut euch, um Hilfe zu bitten, wenn ihr etwas braucht.

Die nächste Pfarrkanzlei ist nicht weit.

Komme gerade von einer Caritasveranstaltung im Bildungshaus Puchberg.

Es ist sensationell, auf wie viele Arten man anderen helfen, beistehen … kann. Was beim Austausch genannt wurde (aus dem Gedächtnis, es war bestimmt noch mehr):

  • Geld spenden
  • Trauerbegleitung
  • Dinge spenden oder gratis reparieren
  • beraten
  • Selbsthilfegruppen
  • Lerngruppen (Nähworkshops, Deutschkurse …)
  • Benefizveranstaltungen organisieren oder bei solchen auftreten
  • Nachhilfe für Schüler/innen anbieten (gratis)
  • Streetwork
  • Obdachlose betreuen
  • Wohnmöglichkeit bereitstellen
  • SOMA- und CARLA- Läden
  • Tafel
  • Hilfen für Haftentlassene
  • Besuche in Gefängnissen
  • Besuche im Krankenhaus
  • Besuche in Altenheimen
  • Seniorencafés
  • Kinderbetreuung gratis
  • Taxidienste gratis
  • Haussammlung
  • Kranken- oder Altenbesuche zu Hause
  • Ausflüge, Erholungsangebote für pflegende Angehörige, Alleinerzieher/innen, …
  • Unterschriften sammeln, Briefe schreiben,um Spenden bitten
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Einrichtungen schaffen – z. B. Tafel, Frauenhaus, Notwohnen, Waisenhaus …

 

Vielleicht geht sich heute noch ein kurzer Gedanke aus: WIE kann ICH morgen helfen? (Bitte nur EINE MÖGLICHKEIT aussuchen…)