Eine geführte Meditation, die ich mit den Teilnehmerinnen an gestrigen FrauenGenussAbend gemacht habe:

 

Ich schließe die Augen.Ich spüre, wie ich mit der Sitzfläche und den Fußsohlen auf dem Untergrund aufruhe und von der Schwerkraft getragen werde.

Ich nehme drei tiefe Atemzüge, atme bewusst aus und spüre, wie die Luft von selber wieder in meine Lunge strömt.

Ich stelle mir vor, ich stehe auf und gehe aus dem Pfarrsaal hinaus in den Vorraum, von dort ins Freie. Es herrscht warmes Wetter.

Ich gehe auf der Straße ein Stück durch den Ort, dann einen Feldweg entlang in die freie Landschaft – bis zu meinem Garten, der sich in einiger Entfernung befindet. Er ist durch einen Zaun oder eine Hecke abgegrenzt.Irgendwo befindet sich ein Eingang – eine Gartentüre oder vielleicht eine Lücke in der Hecke. Vielleicht muss ich um den Garten herumgehen, um die Öffnung zu finden.

Ich betrete dort meinen Garten.

Ich betrachte, was es da zu sehen gibt: Vielleicht Gras – oder auch nicht, vielleicht Bäume, Sträucher, Blumen, Gemüsebeete, einen Weg, einen Brunnen, einen Bach oder eine Wasserstelle … vielleicht befindet sich ein Gebäude in meinem Garten.

Ich gehe ein bisschen herum und erkunde das Gelände.

Irgendwo gibt es eine Sitzgelegenheit, eine Bank oder einen Stein oder eine Böschung …

Ich gehe darauf zu und setze mich.

Ich sehe, dass sich von außerhalb jemand nähert und zum Eingang des Gartens kommt.

Es ist eine vertraute Gestalt – Jesus vielleicht oder Maria, jemand von den Heiligen oder jemand aus meiner Verwandtschaft oder meinem Freundeskreis, der bereits verstorben ist. Oder eine Persönlichkeit aus der Geschichte, … jedenfalls jemand, zu dem/der ich vollstes Vertrauen habe.

Ich lade ihn/sie ein, zu mir in meinen Garten zu kommen.

Jesus – oder wer es ist – geht den Weg entlang bis zu der Bank, auf der ich sitze, und setzt sich zu mir.

Wir begrüßen uns, und wir schauen einander sehr lange an, in die Augen. Vielleicht halten wir uns an den Händen.

Nach einer Weile beginnt Jesus, von mir alles abzustreifen, was wie eine äußere Hülle, eine einengende Maske oder Folie außen auf mir drauf ist. Behutsam, sanft, langsam löst er die Hülle von mir – so wie man eine Zwiebel schält. Bis ich ganz frei davon bin und nur noch mit den Füßen aus dieser Haut herauszusteigen brauche.

Ich fühle mich unendlich befreit und erleichtert.

Jesus nimmt die abgestreifte Hülle an sich, faltet sie sorgfältig zusammen und packt sie ein, schiebt sie in seine Kleidung.

Ich bin jetzt so, dass nichts meine Persönlichkeit versteckt und verhüllt.

Damit ich nicht ganz ohne Schutz bin, streicht Jesus noch einmal mit seinen Händen in einigen Zentimetern Entfernung rund um meine Hautoberfläche und stellt so eine Aura oder neue Hülle, ganz zart und leicht, wie aus Licht, her, die mich rings umgibt.

Ich fühle mich geborgen.

 

Wir schauen einander noch einmal tief in die Augen und verabschieden uns voneinander.

Jesus steht auf und verlässt den Garten durch den Eingang, auf dem er gekommen ist.

Wie neugeboren erhebe auch ich mich und gehe noch einmal durch meinen Garten, lasse meinen Blick ringsum streifen, nehme mir vielleicht eine Beere oder Frucht oder Blume, oder ordne da und dort etwas …

Als es genug ist, gehe ich zur Öffnung in der Hecke oder Gartentüre, schaue ein letztes Mal auf meinen Garten und verlasse ihn für diesmal.

Ich gehe den Weg durch die Felder, betrete die Straße und komme bald wieder in den Ort. Ich gehe zum Pfarrzentrum, betrete es, gehe durch den Vorraum in den Pfarrsaal und setze mich auf meinen Sessel.

Jetzt strecke und dehne ich mich, öffne die Augen- ich bin wieder da.

 

 

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