Predigt

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Ich habe Ihnen heute einen kaputten Autoreifen mitgebracht. Da ist keine – oder jedenfalls viel zuwenig – Luft mehr drin.

Mit dem Reifen kann man nicht mehr fahren

Höchstens im Schneckentempo, zur nächsten Werkstatt.

Keine Widerstandskraft, und belastbar ist der Wagen nicht mehr. Federt nichts mehr ab.

Alles in allem funktionsunfähig.

 

Liebe Brüder und Schwestern – ich kann mir nicht helfen, aber es schaut ganz so aus, dass es in der Kirche – allerdings in anderen Bereichen auch, wo sich noch vor 30 Jahren Menschen mit hohen Idealen engagiert haben, Politik z. B., jetzt auch so ähnlich ausschaut – die Luft ist heraußen.

Bewegung nur minimal möglich. Da ändert sich nichts, kaum was.

Nicht belastbar.

Nicht mehr elastisch, kann die Unebenheiten des Weges nicht abfedern.

Null Toleranz mit Störungen. Alles muss so bleiben, wie es ist; ziemlich beschränkt in der Handlungsfähigkeit. Erstarrung.

Ein Sanierungsfall –

Da kann der Motor noch so kräftig sein, die unzähligen engagierten Christen an der Basis und die Seelsorger/innen und sich noch so anstrengen – wenn die Reifen nicht mehr laufen, wird auf Dauer der Motor bloß auch noch kaputt.

 

Angst brauchen wir dennoch nicht zu haben.

Zu Pfingsten feiern wir, dass Gottes Heiliger Geist schon einmal die junge Kirche, die Jünger und Jüngerinnen Jesu, aus Angst und Erstarrung, sie haben sch eingesperrt gehabt, herausgeführt hat – Hauch Gottes eingeblasen, aufgepumpt, da war dann Kraft in ihnen, Freude, Begeisterung, Mut, neuer Glaube …

Das Werkl begann zu rollen.

 

So kann es bei uns auch sein.

Was ist zu tun?

Schauen wir uns doch an, was die Jünger und Jüngerinnen getan haben:

Zusammenbleiben. Miteinander fragen: Was möchte Jesus von uns?

Zweitens – das dann auch tun. Erst tätig werden, wenn wir spüren, es kommt etwas von Gottes Geist.

 

Und der Geist Gottes kommt genau in diesem Augenblick, wo sie die allergrößte Furcht befällt, die halbe bekannte Welt ist in der Stadt, um Gottes willen.

In diese Situation gehen sie hinaus, begeben sich hinein ins Geschehen, nicht im elitären Zirkel verharren, sondern für alle da sein, die gute Botschaft verkünden, etwas tun, die Welt verändern.

 

Wir können auch darüber nachdenken, was die junge Kirche damals NICHT gemacht hat.

Angesichts der Reifen ohne Luft die Augen verschließen – kann nicht hin sein. Weiterfahren, wie es halt möglich ist, mehr schlecht als recht – und die Schuld auf die steinige Straße schieben, die Umwelt, de Gesellschaft, oder was immer … ist schlecht, ist kirchen- und glaubensfern, feindlich gesinnt, darum kommen wir nicht an, und zu keinem Ergebnis.

Weiters sind sie nicht auf die Idee gekommen, zu warten, bis das Gefährt getragen wird?

Oder die Schuld denen zu geben, die auf das kaputte Radl aufmerksam machen – mit denen reden wir nicht, die nehmen wir nicht ernst, … dann wird das Problem gleich gelöst sein …

Die Jünger haben nicht zum Gottesgeist gesagt: nein, heute bitte nicht, da ist es zu gefährlich.

Sie haben weiters nicht gesagt – bitte mach, dass uns nur die Araber, Kreter, Perser und echten Juden und Proselyten – höchstens die noch – verstehen – die Römer und Griechen, die brauchen wir nicht, und wozu auch.

 

Liebe Brüder und Schwestern: Lassen wir uns neu erfüllen mit der Geistkraft, dem Lebensfeuer Gottes.

Bremsen wir die heilige Fülle nicht ein.

Wir dürfen und sollen das spüren, wie reich, immens reich wir beschenkt sind.

 

Dann sind wir belastbar: nach außen und nach innen –  und wir bewegen uns. Reifen sind für die Bewegung geschaffen. Aufeinander zu. Verständigung, Zusammenkommen, aufeinander hören, andere nicht ausgrenzen, sondern einsteigen lassen, auf das regelmäßige Service nicht vergessen – Beten, Gottesdienst, geistliche Weiterbildung, Fehler bemerken und beheben, wenn der Reifen wieder einmal undicht oder ohne die nötige Kraft ist, Gottes Erneuerungsinstitut aufsuchen. Notwendige Reformen nicht verweigern.

 

Und sich immer bewusst sein: der Lenker des Kirchen-Gefährts, Jesus, kann umso mehr Gas geben, tut sich umso leichter mit uns, je besser die Reifen funktionieren. Wenn Gottes Geist wo drin ist, läuft es rund.

 

In diesem Sinne wünsch ich uns allen: Atem Gottes, komm.

 

 

 

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