Brav sein, um in den Himmel zu kommen …?

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind …“ oder strengstes Auswahlverfahren, dem kaum wer standhält, Prüfung auf Herz und Nieren …?

Was stimmt?

Gerade haben wir gehört: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen …“ – das deutet doch eher auf zweiteres hin, oder?

Ist das jetzt eine Drohbotschaft?

Will uns Jesus Angst machen?

Vielleicht hilft es uns weiter, anzuschauen, zu wem Jesus diese Worte sagt.

Und: Was Jesus noch alles sagt.

Es reicht keineswegs, mit Jesus gut bekannt zu sein – mit ihm gegessen und getrunken zu haben. Äußerlichkeiten spielen eine Rolle.

Das deutet darauf hin: Da fragt wer, der sich fromm fühlt, die jüdischen Gebote hält, sich für auserwählt hält, sich anstrengt – und eine Art Bestätigung hören will: ja, solche wie du – da gibt es eh nicht viele, denn die breite Masse schafft das nicht, …

Einer, der selbstgerecht auf die anderen herabschaut, die Zöllner und Sünder, die Heiden …einer, der genau weiß, wie die sich wohl gefälligst zu verhalten haben, damit sie ein Gott wohlgefälliges Leben führen …

Wir haben das auch bei uns:

Du musst: die Mundkommunion, knien bei der Wandlung, jeden Tag de Rosenkranz beten … unhinterfragt die Formen und Bräuche einer bestimmten Zeitepoche, des 19. Jh., für immer und ewig einzementieren, beibehalten …

Menschen, die voller Eifer dem Rest der Menschheit zeigen zu müssen glauben, wo es langgeht, denn wir haben ja recht, wir sind die nächsten Verwandten Gottes …

Machtmissbrauch ist das im geistlichen Sinn: du musst glauben und tun was ich sage, leben, wie ich es vorschreibe, damit du Gott gefällst, dazugehörst, ein guter Katholik bist …

Zu dem Sagt Jesus: Nein, so nicht. Bemüh dich du mit allen Kräften – hör niemals auf – oder fang wieder an, nach Gottes Willen zu fragen – und der sieht unter Umständen anders aus, als ihr in eurer Engstirnigkeit und Selbstgerechtigkeit für möglich haltet!

Es werden viele schon vor euch zu Gott gelangen, ihr werdet euch wundern, wer aller da dabei sein wird …

Jetzt kenne ich in meinem Bekanntenkreis kaum wen, der so ist.

Möchte Jesus uns auch etwas sagen?

Vielleicht: Es ist nicht „eh alles wurscht“ … Es macht Sinn, dahinter zu sein – auch im religiösen Leben. Sein Gewissen zu bilden, danach zu handeln, sich anzustrengen …

Im feuchtfröhlichen Lied geht der Text übrigens weiter: Wir kommen in den Himmel, weil wir so brav sind – das sieht sogar Petrus ein, …“

Nein, ich glaub im Gegenteil, der gute Petrus, gerade er, sieht das ganz und gar nicht ein. Er war nämlich einer, der in seinem Leben sich vehement für das eingesetzt hat, was er jeweils für richtig erkannt hat. Ihm war sicher nichts wurscht. Er hat sich engagiert, viel gemacht und dabei viele Fehler gemacht, und er hat daraus gelernt.

Ich habe bereits einmal von dem Spruch erzählt, den mein Großvater im Büro in der BH St. Pölten aufgehängt gehabt hat:

Wer arbeitet, macht Fehler.

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.

Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.

Wer wenig Fehler macht, wird befördert.

Wer keine Fehler macht …                             ist ein fauler Hund.

Menschliche ängstliche Denkweise ist: Nur ja keine Fehler machen!

Wir werden nicht n den Himmel kommen, weil wir so „brav“ sind. Es ist hier nämlich nicht die alte mittelhochdeutsche Bedeutung gemeint, wo brav tapfer, tüchtig, engagiert, mutig meint.

In den Himmel kommt, wer Mut zum Fehlermachen bewiesen hat und weiter bereit ist dazu – sich und anderen Fehler zuzugestehen.

Wer glaubt, in den Himmel kommen zu können, sobald er/sie keine Fehler mehr hat, wird nicht hineinkommen. Ganz einfach, weil dieser Fall nie eintreten wird…

Aber: Wir können üben, uns auf die Denkweise Gottes einzustellen. Wir können üben und lernen, uns beschenken zu lassen – und anderen gegenüber großzügig zu sein.

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