Predigt                                                                 17. 7. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Aha – möchte uns Jesus etwa faul und untätig haben? Oder was soll das heute wieder im Evangelium? Sollen wir nur mehr beten und nicht mehr arbeiten?

Oder: ist unsere Vorstellung davon, was produktiv sein bedeutet, verkehrt? Zu eng, überholt? Hat Gott andere Maßstäbe als wir?

Stellen wir uns diese Situation, die geschildert wird, ganz konkret vor. Es kommt seltener Besuch. Die Hausfrau ist nicht wirklich greifbar, weil sie ununterbrochen herumsaust um besondere Festmenübestandteile zu zaubern zu ordern – es war ja ein vornehmes Haus mit Dienern, das Beste vom Besten soll es sei, ist ja ein denkbar vornehmer Gast.

Dieser Gast ist extra gekommen – warum? Um mit den Menschen, die er besucht, Kontakt zu pflegen. Um sich mit der Hausfrau, mit der Hausherrin, denn das war Martha, zu unterhalten, auszutauschen. Der Besuch gilt – ihr und dem Bruder Lazarus und der kleinen Schwester Maria … Der Gast würde sich über ein weniger aufwändiges Mahl, dafür über die Gesellschaft seiner lieben Freundin, durchaus mehr freuen.

Persönliche Beziehung ist wichtiger als äußere Perfektion.

Dann ist da die 2. Ebene – der Besuch, der da kommt, ist wie auch schon in der Lesung – Gott in Menschengestalt, Jesus.

Maria hat das Bessere erwählt, weil sie das wahrnimmt. Und entsprechend handelt – sie tut das Angemessene: sie begibt sich in seine Nähe, hört zu, nimmt ihn ernst, nimmt seine Botschaft in sich auf.

Uns geht es ja oft so: Wir sind wie Martha total beschäftigt – und zwar in kirchlichen Belangen, denn sie tut durchaus etwas für Jesus, für Gott – wie die vielen Ehren- und Hauptamtlichen, die in dieser und anderen Pfarren unermüdlich tätig sind – Fast hätt ich gesagt. Rastlos tätig sind. Denn genau das wäre verkehrt.

In Braunau – St. Franziskus habe einmal folgendes erlebt: Einer der Firmbegleiter und ich trugen 10 schwere Tische vom Keller ins Erdgeschoß, damit beim Eltern- und Patenabend am Abend des gleichen Tages die Leute im schönen Raum bei Tischen sitzen könnten. Wir machten das gleich in der Früh; der Firmbegleiter ging dann in die Arbeit, ich in den Schulunterricht.

Kurz nach Mittag rief mich eine sehr ordnungsliebende, fleißige Mitarbeiterin der Pfarre an und erklärte empört: „Also, die Leute sind wirklich furchtbar. Da lassen sie einfach 10 Tische mitten am Gang zur Kirche stehen Was denken sich die dabei?

Ich habe alle wieder in den Keller getragen!“

…

Wieviel Pläne wurden – in unserer Diözese, im Pfarrgemeinderat, in der einen oder anderen Gruppe oder Fachausschuss – schon gemacht, wieviel Seelsorgskonzepte existieren und füllen Bibliotheken, wieviel Ratgeber für Verkündigung und Liturgie kann man erwerben – und doch übersieht man oft das einzig Wichtige:

Auf Gott, auf Jesus selbst zu hören.

Beten.

Mit ihm in Kontakt treten, zuhören, mit dem Herzen hinspüren, was er gerade von mir, genau von diesem Gremium, exakt in dieser speziellen Situation, … will, was es braucht, was wirklich gut ist und angemessen. Und nicht nur Beschäftigungstherapie.

Seien wir ehrlich: Das persönliche Beten, überhaupt die Pflege unserer Spiritualität, da gehört Kunst, Kultur, Nichtstun dazu,  fällt oft unserer unermüdlichen Tätigkeit, unserer Überbeschäftigung zum Opfer.

Wie in den zwischenmenschlichen Beziehungen, dort ist es auch nicht das Wahre, machen wir es auch in der Freundschaft mit Jesus Christus: Wenn es stressig wird, wenn die Zeit knapp ist, sparen wir die Beziehungspflege ein, lassen wir die Kommunikation verarmen, …

Und dann wundern wir uns, wieso unsere Bemühungen ins Leere laufen…

Wir benötigen unbedingt den Austausch mit Gott, so bekommen wir Energie, Ideen, Ausdauer, …

Und dann gibt es noch eine dritte Ebene, eine Schieflage, die hier durch Jesus zurechtgerückt wird. Maria tut etwas, was zwar im Jünger- und Jüngerinnenkreis um Jesus üblich geworden war, was aber für das damalige und auch das heutige Judentum in seiner orthodoxen oder ultraorthodoxen Form unerhört ist: Sie sitzt zu Füßen des Rabbi, das ist die Position des Rabbinerschülers, des Jüngers. Sie hört den Ausführungen des Meisters zu und diskutiert vielleicht nicht heute, aber später mit. Und Schüler/in eines Rabbi zu sein hat ein Ziel: selber einer zu werden, zu lehren, schriftkundig zu sein.

Im orthodoxen Judentum dürfen Frauen die Hl. Schrift nicht lesen und auch die Torarolle nicht berühren – denn da drin ist Gott anwesend, und Frauen sind – unrein.

Die große Schwester Marta verhält sich umgekehrt genau so, wie es von der vorbildlichen jüdischen – und auch Jahrtausende lang christlichen – Hausfrau erwartet wurde (und wird).

Wenn Jesus jetzt das Verhalten Marias als vorbildlich lobt und Marta freundschaftlich tadelt – so in der Art – geh Marta, jetzt kennst mi schon so lang, denk do amal nach – dann rückt er die Rolle der Frauen zurecht – in die Richtung, wie es Gottes Absicht besser entspricht.

Der Platz der Frau ist laut Jesus im Kreis der Jünger/innen, bei der Theologie, in der Diskussionsrunde, dort wo Gesetze gemacht werden, denn genau das geschah unter Schriftgelehrten und Gesetzeslehrern, sichtbar und hörbar in der Öffentlichkeit. Nicht wie die Stammmutter Sara, die noch vom Zelt aus zuhört …

Es soll eine Aufmunterung für Marta sein und für alle Frauen, die heute noch -nicht nur – im orientalischen Bereich es allzuoft für normal, gottgegeben halten, sich mit dem privaten Bereich, mit Küche und Haushalt zu begnügen. Sondern das Bessere, ein besseres Los, zu wählen.

Jesus zeigt Gottes Menschenfreundlichkeit und Gerechtigkeit.

Und ich wünsche uns, Ihnen und mir, dieser zu vertrauen, sie annehmen zu wollen.

Liebe Brüder und Schwestern!

Wieder eine der bekanntesten Stellen der Bibel, weltweit und religionsübergreifend …

Das Markenzeichen von uns Christen st also die Nächstenliebe.

Da wird keiner widersprechen.

Aber geht es uns nicht ganz ähnlich wie dem frommen Pharisäer im Evangelium? Keiner der damals gläubigen Juden hätte das Gebot in Frage gestellt, den Nächsten zu lieben. Das galt als selbstverständlich.

Allerdings hat es im Bewusstsein der Menschen ganz enge Vorstellungen gegeben, wer dieser Nächste denn ist.

Und so ist es bei uns auch, fürchte ich.

Schauen wir uns an, wie Jesus das vorherrschende Bewusstsein aufdehnt.

Und zwar in provokanter Weise.

Ein Mann wird von einer Räuberbande überfallen und liegt halbtot am Straßenrand.

Zuerst erzählt Jesus einmal, wer ihm aller NICHT hilft:

Ein Priester und ein Levit; die haben nämlich keine Zeit bzw. wollen sich die Hände nicht schmutzig machen. Der Priester darf nicht mit Blut in Berührung kommen, dann könnte er am gleichen Tag beim Opfer im Tempel seinen Dienst nicht mehr versehen. Davon abgesehen würde er zu spät kommen.

Es wäre das absolut Normale und selbstverständliche, einem, der da liegt, zu helfen.

Da sehen wir, wie sich Religion und ihre Bestimmungen von wahrer Frömmigkeit entfernen können – beinahe unbemerkt.

Wir haben auch in unserer Kirche eine Menge Verfestigungen und Gebräuche, die einige Tonangebende als katholische Lehre und unverzichtbar ansehen, die aber mit dem Evangelium Jesu Christi und mit dem Heil der Menschen rein gar nichts zu tun haben – ja kontraproduktiv, störend sind. Massen

Aber es gibt noch viel Ärgeres: In Amerika, Nord wie Süd, gehen Menschen frommen Herzens in die Kirche, und sie meinen es ehrlich. Es fällt ihnen nicht einmal auf, dass es das Natürliche und Normale und mitmenschlich Erwartbare ist, dafür zu sorgen, dass Angestellte so verdienen, dass sie gut leben können. Dass Kleinbauern auch das Recht auf Privatbesitz, Grund und Boden haben – sie selbst, die Großen, pochen ja so darauf. Dass es bei Gott keinen Unterschied gibt, dass alle, arm und reich, gleich viel wert sind. Hautfarbe, Herkunft egal …

In unserem Land gehen ebenfalls Menschen gut gläubig, fromm, in die Kirche, die Menschen ohne mit der Wimper zu zucken ihre Menschenrechte absprechen, sobald sie aus Afrika und Asien kommen und eine dunklere Hautfarbe haben.

Sie kommen nicht einmal auf die Idee, dass sich ihre Denkweise mit dem Christentum nicht vereinbaren lässt.

Es wäre das Natürliche und Normale, einem, der Schutz sucht, beizustehen.

Schauen wir weiter im Evangelium:

Jesus erzählt weiter, WER hilft: Ein verhasster Ausländer, Glaubensabtrünniger.

Es spielt keine Rolle, es darf keine Rolle spielen, meint Jesus, welchen Glauben jemand hat, aus welchem Land er kommt man kann nicht theoretisch festlegen und per Gesetz verordnen, wer der „Nächste“ ist – jede/r kann es plötzlich sein, wenn ich auf ihn/Sie treffe. Es hat sehr viel mit Offenheit für die Anregungen des Heiligen Geistes zu tun.

Jahrhundertelang sind bei uns Menschen fromm und im guten Glauben in die Kirche gegangen – und tun es noch heute, in vielen Ländern der Erde, auch bei uns – kommen nicht auf die Idee, dass eine Frau ihre Nächste sein könnte: dass sie z. B. genauso viel Lohn bekommt für die Arbeit, gleiche Rechte haben könnte … Dass das was zu tun hat mit der Armutsgefährdung vieler Familien und der realen Not vieler Rentnerinnen bei uns – und mit der Not in den Ländern der sogenannten 3. Welt …

Liebe Brüder und Schwestern!

Lassen wir uns von Jesus, unserem Herrn, neu provozieren – herausrufen aus festgefahrenen Mustern.

Dieses Anecken, gegen den Strom Schwimmen, sich unbeliebt machen – ist nämlich geradeso ein Markenzeichen der Christen wie die Caritas. Das lateinische Wort für „Nächstenliebe“. Caritas ist wenn sie Qualität hat, immer zugleich eine Provokation für die Umgebung, für das Bürgertum, für die Zufriedenen und Satten: sie legt nämlich den Finger in die Wunden der Gesellschaft, zeigt die Ursachen auf, warum es die überhaupt gibt, und das ist eigentlich der Skandal, um die sie sich kümmert.

Die Armen, Einsamen, Traurigen, Randgruppen, Leidenden aller Art, die es in der Christenheit im Grunde gar nicht geben dürfte.

Denken wir aber jetzt nicht nur an „die anderen“. Immer wieder, wenn es um konkrete Hilfe für jemand geht, höre ich als Ausrede: „Ich bin doch nicht die Mutter Teresa.“ Wie komm grad ich dazu, zu helfen, ist gemeint. Da könnte ja jeder kommen. Da denk ich mir: Eigentlich ist es noch viel ärger: Jeder Christ repräsentiert in dieser Welt Jesus Christus – und wir sollten es da durchaus so tun, dass er erkennbar wird. Uns so verhalten, wie er es tun würde.

Machen wir uns die Hände schmutzig. Kündigen wir so manche unserer Verpflichtungen auf, um Zeit und Luft zu bekommen für das Wesentliche. Stellen wir das Heil der Menschen an die 1. Stelle.

Amen.

Ein Ausflug, den ich wirklich empfehlen kann: Die Salzwelten in Bad Dürrnberg.

Zwischen 9.00 und 17.00 hat man im Viertel- oder Halbstundentakt die Möglichkeit, das Salzbergwerk zu besichtigen.

Kosten für Erwachsene: 30 Euro.

Dauer: 90 Minuten.

Es beginnt mit einem Film, dann wird die Schutzkleidung angezogen.

Dann die Einfahrt in den Stollen, ca. 600 m weit.

Einen weiteren Kilometer legen BesucherInnen zu Fuß zurück.

Man sieht 4 weitere Filme über die Geschichte des Salzabbaus von den Kelten bis zur Gegenwart und lernt Methoden dazu kennen.

Die Führung ist 1a – kompetent, umsichtig, fröhlich, mit Humor.

Es wird gerutscht und mit dem Boot über den unterirdischen Salzsee gefahren.

Ein gelungener Nachmittag.

Zusatzinfo: Der Kaffee im Bistro ist ein Gedicht!

Ich lade euch herzlich ein, an meiner Veranstaltung teilzunehmen:

Heil an Leib und Seele,

Ein Trainings-, Erlebnis- und Genusstag.

Leiden ist im Leben als Anstoß zur Entwicklung vorgesehen – immer gibt es erfrischend originelle Lösungswege.

Spirituelle Übungen, theologische und naturkundliche Kurzvorträge, gemeinsames Zubereiten eines einfachen Mittagslunchs und eines abendlichen Festmahls. Einzeltraining je nach Bedarf – Methoden der traditionellen europäischen Medizin und des Schamanismus.

Freitag, 26. August 2022, 9.30 – 20.00

Lunz am See, Lüftleck 13

Kosten: 180,-

Anmeldung: dagmar.ruhm@kostbarleben.jetzt IBAN: AT152025600000020800 BIC: SPSPAT21XXX

Ab Herbst (Beginn: 20. September) auch als fortlaufender Kurs über 2 Monate buchbar. 2.200,-

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Vor 20 Jahren wurden auf einem Donauschiff auf der österreichisch-deutschen Grenze 7 Frauen zu katholischen Priesterinnen geweiht.

Es gibt dazu ein Video.

Schaut es euch an – und fasst Mut!

Zu finden auf Youtube.

Und: Schreibt mir eure Meinung!

Kennt ihr die Erfolgsprogramme von Dr. Renee Moore?

Ihr findet Sie durch Googeln oder auf Facebook.

Ist einen zweiten Blick wert!

Predigt                                                       Fronleichnam 2022 Haid

Liede Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wir glauben ja und feiern es heute extra: Jesus ist gegenwärtig. Im allerheiligsten Altarsakrament, wie es theologisch formuliert heißt.

Aber in der Kirche, beim Gottesdienst oder vor dem Tabernakel – und da halten wir uns ja im Normalfall, im Alltag, nicht auf.

Also wo ist er? Wo können wir Jesus heute finden?

Wir werden nachher, nach dem Gottesdienst hinausgehen auf den Stadtplatz und zu unserem Mahnmal vor der Kirche. An vielen Orten der katholischen Welt gehen die Fronleichnamsprozessionen hinaus – auf die Felder, durch die Städte und Ortschaften, an Gemeindeämtern, Geschäften. Krankenhäusern, Altenheimen, Betrieben und Fabriken, Wohnblöcken vorbei …

All diese Orte, so möchten wir es, sollen gesegnet werden durch die Gegenwart Gottes, die Gegenwart Jesu –

Und was ist, wenn die Prozession wieder vorbei ist?

Ist dann Jesus auch noch da – an unseren Alltagsorten – oder nicht?

Die Menschen haben sich früher vorgestellt: Da ist die Welt, das Irdische, Materielle die Vorstellung kommt aus der griechischen Antike, und geistert noch immer in unseren Denkmodellen herum: Geist ist gut, Materie irgendwie schlechter, 2.rangig oder so.  – irgendwie unvollständig, nicht ganz so gut … und das braucht den Segen durch das Göttliche, geistige, eine himmlische Macht …

Und das natürlich immer wieder, weil es mit der Zeit verpufft oder nicht mehr so wirksam ist …!

Stellen wir uns da etwas Richtiges und Wahres vor?

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Gott findet das ein bisschen seltsam …

Oder ist es viel mehr so:  Gott wird in Jesus Mensch, ganz und vollständig … das Baby Jesus ist total angewiesen auf Fürsorge, Muttermilch, Windeln wechseln, baden, Streicheleinheiten … abhängig von Temperatur, Wasser, Luft, … Gott wird materiell, begibt sich in diese Welt — dann wäre ja das Fronleichnamsfest die logische Folge, der logische Endpunkt von dem, was zu Weihnachten begonnen hat …

In der griechischen Antike hat man sich als Ideal vorgestellt: der Mensch wird göttlich. Also immateriell.

Das ist aber ein großer Irrtum. Im Christentum besteht die Erlösung gerade darin, dass umgekehrt Gott materiell, sterblich wird.

Gott ist ganz in dieser Welt zuhause, in der Sphäre des irdisch – Sichtbaren und Angreifbaren.

Der Segen besteht gerade darin, dass Gott nicht mehr extra von außen kommt, sondern er ist schon mitten drin. Untrennbar mit dem Alltäglichen verwoben …

Anbauen und Ernten, kochen und essen, wohnen und arbeiten und einkaufen und Freizeitaktivitäten – es gibt keinen Bereich, wo Gott nicht ist.

Es gilt nicht mehr Profan oder sakral. Die Trennung ist aufgehoben.

Und das hat Folgen.

Diese Erde und ihre Güter, Boden, Wasser, Luft, alles was wächst, Lebewesen, Pflanzen und Tiere möchten so behandelt werden, wie es Gott zukommt. Mit Ehrfurcht und Sorgfalt.

Weil wir Gott essen und trinken dürfen im Sakrament – dürfen wir alles essen und trinken ohne Ausnahme. Allerdings nicht unbedacht einfach so – sondern mit Ehrfurcht vor allem Lebendigen.

Und mit unseren Mitmenschen dürfen wir nur so umgehen, wie wir mit Gott umgehen würden Wir erinnern uns an diese andere Sache, von der Jesus einmal spricht: Was ihr dem geringsten Menschen getan habt, habt ihr mir getan.

Diese Welt ist nichts Profanes oder gar Gottloses – in Jesus hat er/sie sich in diese Welt hineinbegeben. Und zwar nicht probeweise oder nur mal so zum Ausprobieren wie vielleicht im orientalischen Märchen von Harun al Raschid, dem Kalifen, der verkleidet als einfacher Bürger erforscht, ob es in seinem Land ordentlich zugeht.

Sondern in echt.

Und er ist nicht wieder aus ihr weggegangen …

Gott ist in der Ukraine an der Front. Im russischen Arbeitslager. Im afrikanischen Hungergebiet, In der Klinik. Im Supermarkt. Im Fitnesstempel. Im Kino. Im Nachtlokal. Im Parlament. In der Schule, im Kindergarten, auf der Universität, im Gefängnis. In den Familien.

Niemals mehr ist es gleichgültig, was wir tun oder ob wir etwas tun oder nicht.

Wer durch das Essen des heiligen Brotes mit Jesus verbunden ist, kann sich niemals mehr heraushalten. Denn wir sind an ihn gebunden. Wir sind mitten drin mit ihm.

Heute wieder eine Buchempfehlung: Dass die Welt wohnlich für alle wird. Festschrift für Ina Prätorius zum 65. Geburtstag.

Noch nicht gelesen?

Nachholen!

Mir gingen die Augen auf. Feminismus, Christentum, Natur und Umwelt, Klima und Gerechtigkeit …

Lesenswert.

Tipp: Gibts bei Thalia und bei Meritas, Linz

Predigt                                                                      Pfingstsonntag 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Luft und Wind – gibt es die überhaupt?

Man sieht sie nicht. Sehen können wir nur die Blätter eines Baumes z. B., die sich im leichten Wind bewegen.

Man spürt sie nicht – außer bei starkem Wind.

Dann allerdings können wir die Luft auch hören, die starken Windböen – oder hören wir auch dann nur den Aufprall der Luft auf das Hindernis, das Rauschen der Baumkronen oder der Wellen in einem See oder Meer?

Oder den Luftdurchzug – je nach Stärke ein Pfeifen oder Dröhnen – durch eine Flöte, Trompete oder Orgelpfeife …

Die Menschen des Alten Testaments haben Gottes Geist den Namen „Ruach“ gegeben, das heißt ursprünglich tatsächlich Atem oder Wind.

Die Wüstenbewohner haben gesehen, was Wind bewirkt: in der Sonnenhitze kühlt, Regenwolken bringen kann – dies im Guten -, aber sie haben auch gewusst, welche verheerenden Folgen ein Sandsturm haben kann, wo das Unterste zuoberst gekehrt wird, oder die stetige Macht des Windes, wo nach einigen Jahren die Landschaft in der Wüste sich verändert, wegen der Wanderdünen Neuorientierung, notwendig wird, die Suche eines neuen Weges …

Ja, und ohne Luft kann kein Mensch leben. Der lebendige Hauch des Atems ist Zeichen dafür, dass jemand lebendig ist.

Wir sagen aber auch zu Menschen, die wir nicht mögen: Du bist Luft für mich.

Überflüssig, wie nicht vorhanden.

Luft ist wirklich ein gutes Symbol für Gottes Geist.

Dem geht es nämlich ähnlich: Die meisten Menschen halten ihn/sie für überflüssigen Luxus, auch gute Christen. Brauch ich eigentlich nicht.

Ruach oder Schekinah ist der Aspekt Gottes, die Persönlichkeit Gottes, die mit uns Kontakt aufnimmt, ständig da ist und uns am Leben erhält – wie die Luft, die wir atmen. Ohne dass wir das merken.

Uns aufatmen lässt. Einen Luftpolster bildet, rund um uns, dass wir es weicher haben. Eine Sicherheitsmatratze nach unten, wenn wir fallen.

Einen Filter für das, was von oben kommt. Ein Schlauchboot, das über Untiefen führt. Uns sicher durchs Leben segeln lässt.

Wenn ich das nicht haben will – ausdrücklich Gott mir wurscht ist – dann darf ich mich nicht wundern, wenn ich ständig selber ruachln – das heißt, ich kanns fast nicht derschnaufn – und rudern muss, um mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen, der Auftrieb und Antrieb fehlt. Und irgendwann pfeift man aus dem letzten Loch.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir Gottes Geist so dringend brauchen, wenn er/sie so lebensnotwendig ist wie Luft – was können wir tun?

Da habe ich eine wirklich gute Nachricht:

Wissen Sie, was die Luft noch für eine Eigenschaft hat?

Luft strömt von selbst, automatisch, in leere Räume. Ins Vakuum, in den luftleeren Raum – sobald eine Öffnung da ist.

Wir müssen aufmachen.

Wenn dauernd gebetet, dass Gottes Geist kommt und wirkt. Warum tut sich so wenig? Vielleicht sollten wir besser darum beten, dass die Ruach ein paar Löcher bohrt. In uns. In die Menschen. In die festgefügten Mauern der Weltanschauungen, Vorurteile, Gewohnheiten …

Nur: aufmachen, Augen, Ohren, Herzen, Verstand…  aufmachen müssen wir. Und rausgehen ins Freie.

Wenn wir uns das vielleicht nicht trauen – wenn uns der Heilige Geist lästig vorkommt wie ein Gegenwind oder ein scharfer Luftzug ins Gesicht, kann es daran liegen, dass wir in die falsche Richtung laufen und umkehren angesagt ist.

Die Frage an uns ist: was möchte Gottes Windhauch aus unserem Leben fortblasen – oder aus unserer Pfarre – Staub, Ablagerungen, Verkrustungen, Müll, Schutt, der uns zudeckt und fast begräbt, Ungesundes und Unbrauchbares?

Bei uns herrscht manchmal so eine Scheu, fast ein Schuldbewusstsein, dass wir Christen sind und Freunde von Jesus. Wir können Gott einfach darum bitten, dass er das beseitigt. Gehen tut es. Die Jüngerinnen und Jünger haben zu Pfingsten trotz Lebensgefahr sich plötzlich stolz zu Jesus bekannt.

Wo wünschen wir uns mehr Lebendigkeit und Bewegung? Rückenwind?

Ich lasse den Ventilator jetzt eine kleine Weile laufen – wir sind eingeladen, dass wir uns dem Wirken des Geistes wie einer frischen Brise aussetzen.

Das soll uns heute als Glaubensbekenntnis gelten.

Predigt                                     Feuerwehr 29. 5. 2022, 9.30 Pucking

Sehr geehrte Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, liebe Schwestern und Brüder!

„Dass alle eins sind“ – Einer der größten Wünsche, die Jesus in den Evangelien äußert.

Was ist denn damit gemeint? Einheit. Einheitlichkeit? Wenn alle das gleiche denken und glauben? Dieselbe Meinung haben? Gleich ausschauen?

In China hat man das versucht: Einheitskleidung, Mao-Outfit. Egal ob Manderl oder Weiberl. Optischer Ausdruck einer sogenannten Einheitspartei, zu der jeder ausnahmslos gehören musste. Die katholische Kirche in einer gewissen Ausrichtung hat das auch … die Puritaner in England …Iran zur Zeit von Khomeini, Saudiarabien. Diktaturen haben die Tendenz, alle gleichzuschalten. Wer besonders oder anders ist, ist gefährlich.

Bei diesen Ansätzen handelt es sich aber nicht um Einheit, sondern um Gleichförmigkeit.

Englischer Rasen. Lauter identische Grashalme in derselben Länge – und sonst nichts.

Ich persönlich freue mich mehr über eine bunte Blumenwiese: Das ist Einheit – unzählige unterschiedliche Pflanzen bilden etwas Schönes.

Ihr Feuerwehrleute kennt das ganz genau, was Einheit ist.

Bei einem Einsatz helfen alle zusammen.

Und zwar ganz bestimmt nicht so, dass jede/r der Beteiligten dasselbe tut: Es wäre extrem störend, wenn alle exakt denselben Handgriff tätigen würden!

Die Einheit besteht im gemeinsamen Ziel, das es mit vereinten Kräften zu erreichen gilt. Und das gelingt umso besser, je effektiver jeder einzelne seine/ihre individuelle lang geübte Aufgabe wahrnimmt. Nur am je eigenen Platz. Dann läuft alles wie am Schnürchen, bis es heißt: Brand aus.

Ganz ähnlich meint es Jesus.

Er will uns nicht „katholisch machen“ – alle nicken und beten und keine/r rührt sich und muckt auf.

In jeder Familie, in der Kirche, bei jeder Organisation und in Betrieben geht es dann vorwärts, können Ziele erreicht werden, je besser die einzelnen ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit entfalten und einbringen. Einmütig. Mit demselben Ziel vor Augen.

Ihr leistet eure Einsätze bei Feuer, Unfällen und Katastrophen – und ihr wisst, worauf es ankommt.

Ich verstehe gut, wieso Jesus sich diese Einmütigkeit so dringend wünscht.

Wenn nur alle, die sich Christen nennen, in allen Konfessionen, Staaten, Völkern, … sich vereint um die gro0en Ziele dieser Welt mühen würden: Frieden. Klimagerechtigkeit. Ende von Hunger und Not. Wasser und Medizin für alle.

Uneinigkeit, Streit, Hass, Neid und Unrecht sind die großen Bremser, die das gute Leben aller verhindern.

Wenn alle Menschen, die diesen Planeten bewohnen, gemeinsam handeln würden: Es wäre gar nicht anders möglich, als dass es gelingt.

Liebe Feuerwehrleute, ich danke euch heute für das gute Beispiel, das ihr gebt – dass ihr im örtlichen Bereich hier in Pucking zeigt, wie das geht, in Einheit zu handeln und gute Ziele zu erreichen.

Gott segne und helfe euch auch in Zukunft dabei.