Predigt                                                     Ostermontag, 18. 4. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Dieses Evangelium von den sogenannten 2 Emmausjüngern, die unterwegs Jesus begegnen, ist uns vertraut.

Als sie zuerst der vielversprechenden Vergangenheit, ihren geplatzen Träumen nachtrauern, vielleicht wollen sie zurück in ihr – heute würden wir en Privatleben nennen, angestammter Beruf, Heimatdorf, Familie …

Und dann kommt einer des Weges, dem können sie ihr Herz ausschütten – offenbar hat er von nichts eine Ahnung, da können sie von Anfang an erzählen – und dann kommt die neue Sicht, Jesus selber deutet ihnen, erklärt ihnen das Geschehen. Sie wollen, dass er noch länger bei ihnen bleibt, obwohl sie ihn noch nicht erkennen.

Es ist eine österliche, nachösterliche Erfahrung, die uns alle heute auch noch betrifft.

Es ist die Erfahrung, die Christen machen, die eine Begeisterte, hoffnungsfrohe Zeit mit Jesus verbracht haben, die irgendwann ihre ganze Hoffnung auf Jesus, auf ihr Engagement im Glauben, in der Kirche gesetzt haben, sich alles erwartet haben.

Ja es ist eine Erfahrung, die alle Menschen machen, denen eine großartige Hoffnung sich nicht erfüllt hat, die offensichtlich mit ihren Plänen gescheitert sind.

Wo ist da jetzt die frohe Botschaft für uns?

Viele in der katholischen Kirche heute, die in meinem Alter oder 10, 20, 30 Jahre älter sind, haben sich vom 2. Vatikanischen Konzil und der Aufbruchsstimmung in der Kirche der 70er- noch 80er-Jahre alles erwartet.

Vieles ist nicht verwirklicht, manches wieder vorbei oder zurückgenommen worden, bevor es sich richtig entwickeln konnte.

Ängstliches Obrigkeitsdenken statt jesuanischer Freiheit und Vertrauen in das Wirken des heiligen Geistes.

Wir können alle nicht zurück, genauso wenig wie in unsere Jugend damals. Und niemand kann ins Privatleben zurück – viele zeihen sich zurück, aber sie spüren, das ist es nicht. Wer einmal von Jesus gerufen wurde, sich eingelassen hat in die nachfolge, der wird anders nicht glücklich, alles andere bringt es nicht.

Das spüren sie irgendwie und werden traurig. Als ob man nicht vor und zurück kann.

Aber: Gott kann, was wir nicht können; er kann jederzeit und überall ganz Neues entstehen lassen. Nächste Woche – oder morgen, sogar heute noch kann sich die Kirche total unerwartet neu gestalten, es kann etwas Unerhörtes eintreffen, es kann Veränderungen geben, die alle unsere Erwartungen übertreffen.

So wie es bei den beiden entmutigten Jüngern auf dem Weg nach Emmaus war.

Als sie Jesus am Brotbrechen erkennen, laufen sie unverzüglich nach Jerusalem zurück, im Finstern noch, am Abend, bis Mitternacht, zu völlig unerwarteter Zeit.

Nichts mit Privatleben – jetzt geht es erst richtig und neu los mit dem Jüngersein.

Lassen auch wir uns immer wieder stärken, machen wir es nach dem Muster der Emmausjünger: miteinander reden über die eigenen spirituellen, geistlichen Erfahrungen, Fragen, …. Mit Jesus reden. Beten. Die Sakramente in Anspruch nehmen. Am Gottesdienst teilnehmen.

Und warten wir zuversichtlich, was geschieht. Es wird die Erfahrung von Auferstehung sein.

Predigt                                                         Osternacht 2022 Haid

Liebe Brüder und Schwestern!

Die Botschaft von der Auferstehung ist inzwischen hinlänglich bekannt. Interessant, dass auch eingefleischte Atheisten keinen Zweifel darüber haben, dass es nach dem Tod weitergeht …

Dass Jesus Christus wahrhaft auferstanden ist, dass er LEBT, da glauben immer noch manche, das Gegenteil beweisen zu müssen …

Seltsam, oder?

Simone Weil, die christliche Philosophin, obwohl man gar nicht weiß, ob sie getauft war – sie schreibt über die Menschen, die sich nie entscheiden, sondern sich vom Geschehen treiben lassen: Im Essay „Das Unglück und die Gottesliebe“ bringt sie wie auch im Buch „Schwerkraft und Gnade“ folgendes Bild:

Der Mensch, der sich nicht bewusst für das Leben mit Gott, für das Erlöst- und Gehalten sein durch Jesus Christus entscheidet, ist wie ein Ziegel, der aufgrund der Schwerkraft sich von einem Dach löst bei einem Sturm – der Ziegel kann nichts dafür, wohin er fällt, aufgrund der Schwerkraft, es ist ein Naturgesetz. Auf einen Menschen und ihn tötet, auf ein Gerät und es kaputtmacht, oder einfach auf die Wiese.

Wer im Bewusstsein der Auferstehung lebt, die Gnade Gottes in Anspruch nimmt, mit seiner Anwesenheit im eigenen Leben rechnet, ihm Raum gibt bei sich, in Gottes Gegenwart lebt – da ist es so, wie wenn der Ziegel von einer Hand gehalten wird, dass er nicht hinunterfallen kann.

Da wirkt eine Kraft, die stärker ist als die Schwerkraft, als die herrschenden Gesetze.

Da kann es sogar umgekehrt sein: Paulus meint einmal: Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Segen, da entwickelt sich alles, auch und gerade negative Ereignisse, Unglück, Katastrophen … so, dass es dem Heil nicht einmal nur des einen dient, sondern von vielen, der gesamten Umgebung.

Wie können wir das anstellen, dass wir in den Bereich des Lichtes, der Auferstehung, gelangen?

Wir müssen uns bewusst entscheiden. Automatisch geht es nicht. Automatisch wirken die Naturgesetze, die Schwerkraft. Gott tut nichts automatisch, er achtet unsere Persönlichkeit und Freiheit, er braucht unsere bewusste Entscheidung. Täglich stehen wir vor der Wahl: Was denke ich über ein Phänomen, über einen Menschen, dem ich begegne? Wie reagiere ich? Woran orientiere ich mich? Womit fülle ich meine Zeit?

Viele Menschen, ja die meisten, entscheiden sich nicht bewusst – für gar nichts. Die Anforderungen des täglichen Lebens, arbeiten, einkaufen, Familie, dann die Medien, Informationsflut – lassen einen schon nicht zur Ruhe kommen. Dazu kommt die Freizeitindustrie mit zahllosen Angeboten.  Süchte – auch Arbeit kann zur Sucht werden -, Stress – all das wirkt auf viele wie ein Rauschzustand, der vom nüchternen Denken abhält. Vom Überlegen.

Wo ist dann Entscheidungsfreiheit?

Gerade in der Fastenzeit waren wir eingeladen, ja aufgerufen, uns von den verschiedenen Verstrickungen, die uns binden und fesseln, zu befreien, befreien zu lassen…

  • Von der Tendenz, nicht menschengerecht zu leben – sondern ständig unsere Grenzen zu missachten, unsere (biologische Bedingungen …), aber auch die der anderen …
  • Von verkehrten, schädlichen Gottesvorstellungen. Der alte Opa mit weißem Bart jenseits der Berge und Wolken – existiert nicht. Er verlangt auch keine Opfer, es handelt sich auch nicht um einen „er“ – Barmherzigkeit will ich, steht in der Hl. Schrift…
  • Befreien mögen wir uns lassen von der Zerstörung, der Missachtung der Natur. Es gibt nur diese eine Erde – und alles, was wir zum Leben brauchen, stammt von ihr.
  • Von den Verstrickungen, die es mit den nächsten Angehörigen gibt – Familie, Kollegen, Nachbarn, Freunde.
  • Von Fesseln, die ungute Traditionen, ungerechte Gesetze … uns auferlegen, ja ganze Kulturen und Völker knechten…
  • Von den Verwicklungen und Verflechtungen der Politik…

Auferstehung meint: Gott ist stärker als all das. Wenn wir in der Taufe von der Erbsünde befreit werden, dann heißt das: Jesus ist stärker als alle Zwänge, Fesseln und Gewalt, auch von allem, die in dieser Welt unterwegs sind … , auch von allem, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde oder schief gegangen ist…Wir dürfen frei sein und neu anfangen. Nur die Zukunft zählt.

Halleluja!

Predigt Gründonnerstag                                          14. 4. 2022,  Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Wie ist es Ihnen gegangen, als Ihnen die Hände gewaschen worden sind? Ungewohnt? Unangenehm?

Sich waschen lassen – und nicht einmal die Füße, sondern auch nur die Hände – wie fühlen wir uns dabei? Es ist nicht jedermanns Sache. Auch dort, wo ich es sonst erlebt habe, auch im Europakloster Gut Aich, wo der Prior P. Johannes Pausch den Gästen des Klosters am 1. Abend vor dem Abendessen die Hände wäscht, wollen das nicht alle.

Ein Art Empörung: als Erwachsene wollen wir das irgendwie nicht …

Wieso mussten zur Zeit Jesu vor dem Essen überhaupt die Füße gewaschen werden?

Im Mittelmeerraum trug man Sandalen; die Wege und Straßen waren voller Staub, und Füße waren am Tagesende schlicht und einfach schwarz.

Noch dazu hatte es sich in besseren Kreisen in Israel wie in allen römischen Provinzen eingebürgert, dass man beim Essen nicht saß, sondern nach römischem Vorbild der Besatzungs- und Kulturmacht lag – die Füße befanden sich in Augenhöhe der Tischnachbarn.

Sich die Füße beim Betreten eines Hauses zu waschen oder – von Sklaven, eher noch Sklavinnen, jedenfalls von den Rangniedrigsten der Dienerschaft – waschen zu lassen, war derart normal und üblich, dass man kein Wort darüber verlor.

Und Jesus macht das – als Vermächtnis an seine Jünger und Jüngerinnen.

Wir spüren, glaube ich, schon, wieso Petrus das als so unerhört empfindet.

Das, was eigentlich damit gemeint ist, ist auch für uns heute derart unerhört, dass wir nicht daran denken, es in Anspruch zu nehmen.

Gott wäscht uns die Füße – behutsam befreit uns von Dreck und allem Unguten, das uns anhaftet. Kennt unsere Schwächen und Fehler, was uns hässlich macht.

Ich möchte Ihnen eine Begebenheit erzählen, die beim Spazierengehen während Exerzitien vorgefallen ist:

Es war im Juli, nach 2 Tagen Regen der erste sonnige Tag.

Ein kleines Mädchen, vielleicht 5, 6 jahre alt, kommt mit der Oma auf dem Feldweg daher. Das Mädchen hat eine zerrissene Hose und ein aufgeschürftes Knie – das Mädchen sagt zur Oma – gell, ich schau aus … Oma: naja – du bist schon sehr schmutzig…“ Das Mädchen sagt: Ja, ich bin schmutzig – wirklich schmutzig … das macht aber nix, die Mama hat mich lieb. Und die Freude des kleinen Mädchens ist richtig spürbar.

So sollen wir miteinander umgehen. Im Wissen, wir sind nicht perfekt und manchmal wirklich sagenhaft dreckig, und sonst niemand ist perfekt und auch mitunter sagenhaft dreckig – und Gott liebt uns. Und wir sollen einander nicht lieben, weil wir perfekt sind, sondern weil es ein Mensch ist.

Wir leben in einer Kultur der Fehlersuche, des ständigen Betonens von dem, was falsch läuft und zu perfektionieren ist.

Das macht Menschen krank – und die gesamte Gesellschaft.

Wer nicht bereit ist, Fehler zu machen, wird nichts lernen.

Wenn wir die Fehler und Mängel in den Menschen um uns sehen: Machen wir es also wie Jesus:

Verwenden wir die Schwachpunkte nicht dazu, unsere Mitmenschen klein zu halten oder klein zu machen, sondern helfen wir ihnen auf. Waschen wir ihnen, einander die Füße – beziehen wir die Störungen ein in unsere Planungen, in unser Handeln – leben wir eine Grundhaltung wohlwollender Toleranz. Toleranz heißt: Wir halten das aus, dass es unperfekt zugeht, weil Menschen unperfekt sind … Drücken wir ein Auge zu, und wenn nötig auch einmal beide.

Nicht weil es wurscht ist, wenn Fehler passieren, sondern weil es Wichtigeres gibt. 

Vertrauen in die Welt, in die Mitmenschen, Freude über die guten Eigenschaften und Fähigkeiten, über alles, was gelingt, Kreativität, Sinn, Humor, Liebe und Glück. Zum Beispiel.

Liebe Brüder und Schwestern, wir haben die Fußwaschung durch Christus durchaus nötig.

Wer sich nicht die Hände und Füße schmutzig macht, hat nichts getan, nichts gearbeitet, sich nicht eingesetzt – ist irgendwie unlebendig – wie aus Kunststoff. Wir haben auf unserem Mariengobelin stehen: Maria ist nicht aus Gips und Plastik.

Wenn wir lebendige echte Christinnen und Christen sind, dann kommen wir mit dem echten Leben in Berührung. Mit Dreck und Schmutz und Blut und Staub und Erde und Verletzungen …

NUR SO werden wir dem Auftrag Jesu gerecht.

Der Teufel macht sich nicht schmutzig und er wäscht auch niemanden. Vielleicht erinnern wir uns an die Weisheitsgeschichte von dem Mann, der nicht in den Himmel kommen kann, weil er NICHTS gemacht hat – nichts Böses, aber auch nichts Gutes.

Große Heilige sind mit ihren Mitmenschen immer in Berührung gekommen – Katharina von Siena hat Aussätzige gewaschen, Franz von Assisi sie gepflegt …

ApostelInnen, SeelsorgerInnen, ChristInnen … WIR müssen mit dem Leben in Berührung kommen – nach dem Vorbild Jesu – sonst haben wir unseren Sinn verfehlt.

Fußwaschung und Eucharistie hängen unmittelbar zusammen – denn nur auf diese Weise werden wir einander zum Brot, zur lebensnotwendigen Nahrung.

Predigt     Firmvorstellung                           5. Fastensonntag 2022

Liebe FirmkandidatInnen! Liebe Brüder und Schwestern!

Aha, auf frischer Tat ertappt.

Kennen Sie das auch: Jemanden einmal so richtig bloßstellen, alle Fehler und Mängel ans Licht zerren und an die Öffentlichkeit, jetzt sagen wir es dem einmal so richtig hinein …

Die Ankläger sind in der Mehrheit – wir wunder uns heute, was die Leute das angeht, wenn jemand in der Ehe fremdgeht.

Ist alles privat. Denen ihre Angelegenheit.

Damals war das nicht so.

Frau und Mann waren rechtlich in keiner Weise gleichgestellt.

Die Frau galt als so etwas wie das Eigentum des Mannes. Wenn sie ihn betrügt, ist das quasi eine Besitzstörung – umgekehrt höchstens ein Charakterfehler des Mannes, ein Kavaliersdelikt.

Das hatte sich historisch so entwickelt. Im jüdischen Gesetz, in der Tora, in der Bibel, steht nichts davon. Da gilt für beide, Frau und Mann, auf Ehebruch steht die Todesstrafe.

Aber – Die Männer hatten die Macht und haben sich’s gerichtet. Dagegen ist auch das Gebot Gottes offenbar machtlos…So fromm sie sich auch geben: Wenn es ihre eigenen Vorteile stört, ist ihnen Gottes Wort denkbar wurscht.

Es ist schon richtig: die Frau ist schuldig. Sie wehrt sich auch nicht.

Aber die Selbstgerechten übersehen und übergehen die höhere Gerechtigkeit:

Vermutlich haben sie schon länger vom Verhältnis dieser Frau gewusst. Wahrscheinlich war ihr Geliebter einer aus ihrem Kreis, vielleicht Sohn oder Bruder oder Geschäftspartner. Der war ihnen mehr wert – sie haben dafür gesorgt, dass er das Weite suchen kann.

Sie messen also mit verschiedenem Maß.

Zweitens: Sie stöbern die Frau gerade jetzt auf, weil sie sie brauchen können, um Jesus eine Falle zu stellen. Um ihn aufzublatteln. Ginge es ihnen nicht darum, sondern wirklich um Recht und Ordnung, hätten sie das Paar möglicherweise ungestört weiter machen lassen.

Und Jesus spürt das.

Es geht nicht um den Bund mit Jahwe. Es geht nicht um das Gesetz, und es geht schon gar nicht um diese Frau.

Und da schafft er Ordnung. In genialer Weise.

Ihm geht es um Jahwe, um das Gesetz und um die Frau. Das ist eine höhere ORDNUNG UND EINE TIEFERE; STIMMIGERE GERECHTIGKEIT:

Da täte es gut, wenn wir uns etwas von Jesus abschauen.

Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Beim Vorbereiten des Gottesdienstes hat die Firmgruppe gleich ein paar Beispiele gefunden, wo Unrecht zum Recht erklärt wird – die Gesetze in der Nazizeit, Putin und seine Diktatur in Russland; die Rassentrennungsgesetze, die es in Südafrika oder in den USA gab, gegen die Martin Luther King aufgetreten ist, die Gesetze in vielen Staaten des Orients, wo für Frauen andere Rechte gelten als für Männer, wie seit letztem Sommer wieder in Afghanistan.

Unrechte Gesetze sind immer Egoismus einzelner oder von Gruppen, der sich als rechtmäßig ausgibt. Machtmissbrauch.

Gottes Gebote und gute Gesetze hingegen sorgen immer dafür, dass die Schwächeren zu ihrem Recht kommen.

Aber solche Anwandlungen kennen wir auch.

Bei uns sind es meistens Traditionen oder Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben.

Ein Cliquenzwang – wo feststeht, wo jemand wieviel mitmachen muss, um als Mitglied anerkannt zu werden.

Wieviel Ausbildung in einer Familie für die Mitglieder als gut empfunden wird. Was Söhne und was Töchter in der Freizeit machen dürfen. Wie lange ausbleiben z. B. Wer was im Haushalt helfen muss …

So etwas ist für die Nutznießer möglicherweise ganz angenehm … eine Zeit lang – aber macht das glücklich?

Natürlich nicht.

Gott möchte, dass wir glücklich sind. Und zwar alle Menschen auf diesem Planeten.

Deswegen gehört Sünde als solche benannt, deshalb ist Umkehr erforderlich. Vor allem bei der irrigen Vorstellung, Menschen könnten jemals Mittel zum Zweck sein.

Wenn wir etwas von anderen verlangen oder erwarten: passen wir auf, ob wir selber bereit wären, das zu machen.

Wintermantel weg, Übergangsjacke her, Stiefel weg, Halbschuhe raus, Hochbeet bepflanzen, in der Sonne sitzen, Gartenkatalog durchstöbern, Gartenmöbel hinausräumen, … dann plötzlich 4 Tage Sommer bei über 20 Grad. Hätte auch ab 19. April gereicht.

Jetzt ist Schneefall angekündigt.

Die Forsythien blühen früher als sonst, seit drei Wochen schon.

Vögel zwitschern.

Die Schanigärten haben geöffnet (sind aber seit gestern wieder nicht besetzt).

Wenigstens regnet es seit gestern. War dringend notwendig.

Wird abwechslungsreich weitergehen, diesmal ist es aber erwartbar, das unerwartete Wetter samt Kapriolen. Denn: es ist April.

Kasperltheater.

Seit viereinhalb Wochen suchen wir eine neue Pfarrsekretärin. D. h., wir suchen eigentlich nicht, denn sofort am ersten Tag meldete sich sowohl in Pucking als auch in Haid jemand für diese Stelle.

Zuerst hieß es in der Diözese, wir dürfen gar nicht selber jemand anstellen. Es werde eine Stelle für drei Pfarren ausgeschrieben.

Dann sollte ich das Gespräch mit dem Leiter suchen, der aber erst nach 5 Tagen erreichbar war.

Dann versicherte er, sich für unsere Sicht stark zu machen.

Das hat er wohl getan.

Dann wurde er krank.

Dann hieß es, wir sollen uns mit einer dritten Pfarre zusammenreden, die eine Sekretärin sucht.

Das war vor einer Woche. Zugleich erfuhren wir, dass wir sehr wohl selber PfarrsekretärInnen anstellen können.

Wie auch immer: Dies werden wir morgen tun.

Predigt                                                          26./27. 3. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das Gleichnis aus dem Lukasevangelium, das wir eben gehört haben, ist nicht nur einer der bekanntesten Texte unter Christen, sondern ist weltweit bekannt, gehört praktisch zur Weltliteratur.

In einem Liturgiebehelf habe ich allen Ernstes die Meinung gefunden; Der Vater verhält sich sehr ungewöhnlich, eigentlich ungehörig … Dahinter steckt eine Denkweise, an der, mit Verlaub, die Frohe botschaft Jesu Christi spurlosvorbeigerauscht sein dürfte.

Esging Jesus beim Erzählen dieses Gleichnisses ja darum zu demonstrieren, erahnvbar, vorstellbar zu machen, wie Gott handelt.

Ja, und in einem 2. Schritt ist es eine Handlungsanweisung für uns, für jede/n Christin/en.

Gäbe es sie nicht bereits, müsste man diese Geschichte erfinden.

Der jüngere Sohn ist erstens an seiner Notlage selber schuld.

Zweitens kehrt er bemerkenswerterweise nicht zu seinem Vater zurück, weil er plötzlich große Sehnsucht nach seiner Familie verspürt oder ihm bewusst wird, dass er denVater traurig gemacht hat durch seine Abwesenheit, sondern schlicht und einfach, um nicht zu verhungern.

Dann zu Hause bekommt er nicht nur gerade das Notwendigste, sondern wird als Mitglied der Familie wertschätzend wieder aufgenommen.

Und viertens regt sich sofort jemand auf, der eigene Bruder, bei dem, der geholfen hat, dass es ihm wieder gut geht.

Mit all dem ist z. B. die Caritasarbeit ständig konfrontiert.

Viele helfen leichter und lieber, wenn Menschen unverschuldet in Not geraten sind, aufgrund einer Katastrophe, Brand, Unfall, Krankheit … Das ist oft ganz wichtig bei der Berichterstattung in den Medien, bei Hilfs- und Spendenaufrufen.

Wenn da wer „selber schuld“ ist, auch nur vermeintlich, schaut die Sache schon anders aus. -Aha, der war eingesperrt, bei denen funktioniert die Ehe nicht, da sind Drogen, Alkohol, Spielsucht die Ursachen, oder die Menschen, die ihr Land wegen der dort herrschenden Not oder wegen des Krieges verlassen …….…man hört sogar den Ausspruch „Ich bin ja nicht die Caritas“

Nun: Wir sind die Caritas, schlicht und einfach, weil wir Christen sind.

Das Kriterium, ob jemandem geholfen wird, ist die Notlage, dass es ein Mensch ist, der oder die Hilfe braucht. Sonst nichts.

Das christliche Menschenbild kennt nur Familienmitglieder auf Augenhöhe. Eine Hilfe von oben herab, so ein bisschen Almosen auf der Basis „mei bist du arm“, wo es Underdogs gibt, die irgendwie doch nicht so ganz dazugehören, weil man für sie sorgen muss, weil sie selbstständig nicht über die Runden kommen, weil sie das gesellschaftliche schöne Bild – alles perfekt, gesund, wohlsituiert – stören … so etwas kommt nicht in Frage.

Der ältere Bruder, der ordentliche brave Bürger, hätte sich, denke ich, nicht aufgeregt, wenn der abgesandelte Heimkehrer tatsächlich als Tagelöhner hätte arbeiten müssen. 

Jesus erzählt dieses Gleichnis ja gerade deswegen, weil die damaligen „Guten“ es in keiner Weise eingesehen haben, dass die Zöllner und Sünder die gleichen Chancen bei Gott haben, von Jesus Zuwendung und Heil erfahren – geschenkt bekommen und nur anzunehmen brauchen.

Beim Glauben geht es um die persönliche Beziehung zu Gott.

Um Freundschaft.

Wir stehen vor Gott nicht so wie vor einem Polizisten oder einem Lehrer, der uns prüft. Nicht wie vor dem Firmenchef, wo wir möglichst mit Leistung punkten sollen.

Wir können aus der Gnade Gottes nicht herausfallen, Seine Liebe vergeht nicht. Immer und überall wird er sich für uns interessieren und schauen, dass es uns gut geht.

Gott freut sich, wenn wir fähig und tüchtig und erfolgreich sind, das schon. Aber er liebt uns nicht deswegen. Sondern weil wir seine Kinder sind.

Weil wir jeden Moment neu anfangen dürfen mit allen Chancen und Möglichkeiten, und zwar alle Menschen auf diesem Planeten, deswegen geht es uns gut, wir sind geborgen in Gottes Hand.

Predigt 3.Fastensonntag, PGR-Wahl und Erstkommunionvorstellgottesdienst Haid

Liebe Kinder! Liebe Brüder und Schwestern!

Gott straft Sünder durch Katastrophen. Das haben Menschen damals geglaubt. Heute gibt es diese Befürchtung auch immer noch, heute vielleicht sogar wieder stärker als vor einigen Jahrzehnten.

Im heutigen Evangelium räumt Jesus mit dieser Vorstellung auf.

Jesus redet nicht davon, dass Menschen aufgrund ihrer Sünde von Unglücksfällen getroffen werden – ganz im Gegenteil: er hebt den Zusammenhang auf, den die Menschen damals in Gedanken hergestellt hatten. Alle sind Sünder – wenns nach dem ginge, müsstet ihr alle auch so enden, müsste alle das Unglück treffen …

Diese Aussage ist schockierend – hören wir nicht gern.

Aber da gehört ein größerer Zusammenhang dazu:

Wir Menschen hängen alle mit drin. Egal wobei.

Gerade die letzten 2 Jahre, Corona, haben uns das gezeigt: Niemand kann sich heraushalten aus dem Geschehen.

Unbeteiligt, geht mich nichts an: das ist eine Illusion.

Der jetzige Krieg in Europa, in unserer nachbarschaft, erschüttert uns zu Recht. Menschen haben Verwandte oder Bekannte da.

Die Kriege, die sonst noch toben gerade auf diesem Planeten, lassen uns ja eher kalt: Burma, Afghanistan, Oman, Syrien, …

Und erst recht bei Klima und Umweltschutz. Da hängen wir alle mit drin.

Wenn die Natur einmal gestört, zerstört ist, dann trifft das genauso alle, die sich klimafreundlich, nachhaltig verhalten haben – und umgekehrt: Jeder, der/die sich umwelterhaltend verhält, schützt zugleich auch die UmweltsünderInnen.

Wir atmen alle die gleiche Luft, leben vom selben Wasser, Essen, was ein und dieselbe Erde hervorbringt.

Und wo ist jetzt die gute Nachricht heute für uns?

Gott mischt sich in das Irdische ein.

Schaut nach, wie es uns geht – wie der Besitzer des Weinberges.

Gott verhält sich aber genauso auch wie der Gärtner, der Winzer, der noch mal und noch mal umgräbt und sorgt und düngt und bewässert – Maßnahmen trifft, damit es besser wird.

Jede/r von uns darf sich fühlen wie Gottes spezieller Lieblingsbaum.

Gott handelt an uns wie ein guter Gärtner – probiert noch etwas und noch was, verwöhnt uns Menschen, päppelt uns auf, damit auch einmal eine Frucht zu sehen ist.

Gott verliert die Geduld nicht. Er wird nicht müde sich anzustrengen, damit aus uns etwas wird.

Heute wird ein neuer PGR gewählt. Überall in Österreich.

Auch eine Pfarre ist nichts, wo sich einzelne schnell mal heraushalten können.

Der Gottesdienst gefällt mir so nicht mit dieser Gestaltung – komme ich halt nicht mehr.

Es gibt keine Bibelrunde – ein Grund zu schimpfen, sollte es schließlich geben …

Schon wieder sind einige Pfarrblattstapel liegen geblieben … ich kriege es in meiner Siedlung immer so spät, es ist eine Zumutung …

Die Pfarre, das sind nicht irgendwelche unsichtbaren Organisatoren, die halt einiges machen oder auch nicht – die Pfarre sind WIR. Und die Pfarre wird so sein, wie wir uns einbringen, was wir entwickeln.

Die Erstkommunion ist das erste Erlebnis, was Kinder oft in der Pfarrgemeinde haben.

Sie spüren: Ich gehöre da ja wo dazu. Ich werde geschätzt, ich darf etwas machen: Im Gottesdienst lesen, die Räumlichkeiten benützen usw.

Es darf das ganze Leben so bleiben.

Wenn wir mit Gott verbunden sind, dann entwickelt sich alles in super Weise.

Aber wir lassen ihn oft nicht. Wir behandeln Gott wie einen unbeteiligten Zuschauer – dabei ist er das Zentrum, der Mittelpunkt, der, der alles trägt und einhüllt mit Liebe.

Lassen wir uns heute befreien von der Verstrickung ins scheinbar Unvermeidliche, in die Klimakatastrophe, den Krieg, die Not auf der Welt … von der Fessel, die heißt: Da kann man doch nichts machen. Von der Fessel, die heißt: ich bin ja allein, wir sind nur so wenige … fünf!

Nein, wir sind mit Gott verbunden immer ausreichend genug.

Und so befreien wir uns bewusst, indem wir jetzt den nächsten Faden unseres Netzes durchschneiden.

Wenn wir meinen, es gibt nur einen Weg, nur eine Möglichkeit …

dann ist ungeheuer befreiend: Probiert eine andere Variante aus!

Zum Beispiel: Wenn wir krank sind: Zum Arzt gehen, ja – und dann schauen: Was kann in diesem Fall, bei dieser Krankheit … noch alles helfen?

Wenn Menschen verurteilt werden oder bewertet: Sucht Eigenschaften, die er/sie im guten Sinn hat, sprecht über diese guten Absichten, Fähigkeiten … usw.

Wenn jemand nur immer gelobt wird: sucht dessen Menschlichkeit, Endlichkeit, was er nicht kann, seine Fehler.

Sucht euch alternative Lebensmittel. Für NormalverbraucherInnen: esst bio.

Für Veganer und Biofreaks: Esst Hausmannskost.

Für überzeugte (strenggläubige Katholiken (oder was immer): Sucht das Gespräch mit Modernen, mit Zweiflerinnen, mit
Dissidenten … mit anderen Glaubensrichtungen

Für sehr moderne, tolerante Zeitgenossen: Informiert euch über

Strenggläubige. Wieso tun die das? Was glauben sie eigentlich?

LERNEN lautet die Parole, Dazulernen bedeutet Heilung.

Probiert es aus:

Versuche andere zu verstehen. Alle.

Die Alternativen suchen, finden, ausprobieren: Das wird uns unwahrscheinlich stark machen.

Für den Frieden – sich einsetzen, beten, meditieren, arbeiten …

von einigen Seiten wurde ich dazu eingeladen.

SchamanInnen, Katholische Kirche, Internationaler Versöhnungsbund …

Liebe Freundinnen und Freunde: EGAL

Macht mit, wo es euch sinnvoll erscheint – aber MACHT MIT