Predigt Erntedank 2022                    Haid

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Das Vorbereitungsteam hat sich heuer für Erntedank das Thema „Nuss“ ausgesucht. Die Nüsse sollen uns heute ans Dankbar-Sein erinnern.

Schauen wir uns jetzt so eine Nuss, eine Walnuss, einmal an.

So eine Nuss ist nicht groß. Wir übersehen leicht, was es Kleines, Unscheinbares in unserem Leben gibt. Dass Kleinigkeiten kostbar sein können. Ein aufmunterndes Wort, wenn ich nicht weiterweiß. Eine ausgestreckte Hand, wenn ich Hilfe brauche. Ein kurzes Lachen im grauen Alltag, ein Sonnenstrahl, eine kleine Blume am Weg… Unser Leben besteht aus vielen kleinen Augenblicken hintereinander. Ein glücklicher Tag, ein glückliches Leben, besteht aus vielen glücklichen Momenten. Eine gelungene Beziehung besteht aus vielen aufmerksamen Begegnungen.

Nüsse sind außerdem nur einmal im Jahr reif.

Wir haben uns durch die vielen Geschäfte, in denen es in jeder Jahreszeit beinahe beliebig alles zu kaufen gibt, das Wartenkönnen abgewöhnt. Wir haben keine Geduld mehr, kein Gespür für den richtigen Augenblick. Aber die Sachen, Obst, Gemüse und alles andere, verlieren so auch ihre Einzigartigkeit, das Besondere. Erdbeeren schmecken am besten, wenn sie im Juni gegessen werden; Nüsse zwischen Herbst und Weihnachten. Ostereier zu Ostern, Eiscreme an einem heißen Sommertag… Unsere Seele stumpft ab, wenn immer alles gleich ist…

Eine Nuss hat eine Schale. Eigentlich hat sie sogar zwei, die grüne ist bei diesen Nüssen schon weg. Diese harte Schale kann heute ein Hinweis sein: Um an die Nuss zu gelangen, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Uns ein anstrengen, ein bisschen zumindest.

Gott schenkt uns im normalen Leben alles mögliche, das uns zuerst ungenießbar vorkommt, hart, schwierig zu bewältigen… und wo wir erst nach und nach das Kostbare daran erkennen.

Ein Sprichwort sagt. Gott schenkt uns Nüsse, aber er knackt sie nicht auf.

Und das ist sehr gut so. sogar menschenfreundlich.

Wir wären auf Dauer gar nicht glücklich und zufrieden, wenn uns alles, was wir uns wünschen, auf dem Präsentierteller vor die Nase gestellt würde. Es macht uns froher, wenn unser Einsatz gefragt ist. Was von selber geht, ist uninteressant.

Erwachsene, aber auch Kinder, brauchen Erfolgserlebnisse…

Gott hat uns schließlich Kräfte und Fähigkeiten gegeben.

In jeder Krise steckt eine Chance, die Möglichkeit, dass etwas anders wird, sich zum Besseren ändert in unserem Leben.

Manchmal ist etwas so schwer oder kompliziert, dass wir uns überfordert fühlen.

Es kommt vor, dass Menschen so in der Krise stecken, dass sie beim besten Willen nichts Gutes mehr daran erkennen können. Da sind vielleicht die Mitmenschen gefragt, sich für die anderen anzustrengen…es ist ja keiner allein.

Und es kann sein, dass so ein Mensch dankbar wird über seine Freunde, Familie, Kollegen…

Das Fest Erntedank möchte uns ermutigen, in jeder Lage auf das zu schauen, wofür wir dankbar sein können. Es möchte uns zu Optimisten erziehen.

Dankbar werden wir und Kraft gibt uns, wenn wir uns erinnern, was wir schon alles geschafft haben. Wie wir in der Vergangenheit mit Schwierigkeiten umgegangen sind, wie wir Auswege, Lösungen gefunden haben.

Denn wenn es früher ging, dann ist klar, dass es jetzt, heute ebenfalls möglich ist.

Im Evangelium sagt ja Jesus nicht, wir sollen überhaupt nicht und unter keinen Umständen Sorge tragen … Nein. Er sagt: Sorgt euch nicht ängstlich.

Angst ist eine schlechte Ratgeberin.

Problem- und Sorgenkoma, wo Menschen die Chancen und das Gute nicht mehr sehen können… das ist eigentlich keine Haltung, die für glaubende Christen angemessen ist.

Ja, wir können etwas bewirken – und wir sollen das auch.

Ängstlich sorgen, sagt Jesus, das tun die Heiden. Das ist ein altertümliches Wort. Heide ist ein Mensch, der so lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

Wo ich allein auf mich gestellt bin und mich unwahrscheinlich abmühen muss, anstrengen, damit ich alles kriege, was ich brauche. Stress. Wie ein Haftelmacher aufpassen –

Und da sind wir überfordert. Viele beginnen dann zu tricksen, andere zu übervorteilen, mit Gewalt zu agieren oder hintenherum – um mehr Erfolg zu haben.

Wir können das nicht, alles und jedes und sämtliche Eventualitäten berücksichtigen und und und … Gott nimmt uns das ab – wenn und weil wir damit beschäftigt sind, uns für sein Reich, für das Evangelium, für das Wahre, Gute und Schöne einzusetzen, für Gesundheit, Frieden, Fülle, Hilfsbereitschaft. Für die Gemeinschaft.

Immer nur noch mehr Geld zu beschaffen ohne Rücksicht auf andere Menschen, auf die eigene Gesundheit und Beziehungen, auf die Natur – das ist etwas Widergöttliches. Wo es nur um Gewinnmaximierung geht, ist anderes nachrangig. Der Krieg endet nicht, weil die Waffenlobby noch nicht genug verdient hat. Die Energie ist teuer, weil jemand damit verdient.

Der Regenwald im Amazonas und anderswo wird vernichtet, weil es bares Geld bringt für die die das tun.

Das Klima erwärmt sich, weil zuerst alle fossilen Brennstoffe verbraucht, sprich: verkauft sein wollen und die Geräte dazu, für die man ein Patent hat.

Macht- und Wissensmissbrauch, weil Verdienen als oberster Wert gilt. Geld nimmt die Stelle ein, die Gott zukommt.

Des existiert aber ein Gegenmittel, und das ist Dankbarkeit. Wir brauchen nicht ständig immer mehr und mehr – weil für uns gesorgt ist, immer schon. Weil wir in besten Händen sind.

Wir können uns entscheiden: Für eine heidnische Denkweise. Die Angst, dass ich allein im Kosmos bin, auf mich gestellt, und dass das Recht des Stärkeren regiert.

Oder dafür, umzudenken und voller Dankbarkeit staunend zu bemerken: Gott schaut ständig, dass es mir gut geht. Liebe Brüder und Schwestern: Versuchen wir es einmal!

Topfentorte:

Biskuitteig: 4Eier, 13 dkg Zucker, schaumig rühren, 13 dkg griffiges Mehl untermengen. Auf mittlerer Schiene bei 180 Grad ca. 30 min backen.

Topfenfüllung:

1 Pkg Magertopfen, 1 Viertelliter Schlagobers, Staubzucker, Vanillezucker, Zitronenschale, Zitronensaft, 1 El Rum

Schlagobers steif schlagen, 3 El aufheben. Mit den übrigen Zutaten vermischen, Torte damit füllen, 6-12 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Fertig!

Voriges Jahr war ich in der Theateraufführung des Ansfeldner Siedlervereins – auch heuer habe ich wieder vor, hinzugehen.

„Otello darf nicht platzen“

Vorstellungen ab 7. Oktober im ABC Ansfelden.

Karten gibt es dort zu den Öffnungszeiten oder online: https://theatergruppe-sv-ansfelden.at

Wirklich empfehlenswert! Lustig, spannend!

Energie sparen, lautet die Parole.

Ja, ist ja klar – und notwendig.

Mehrere Begleitumstände zeichnen sich jedoch ab, die wir – vor allem Frauen und ihre Freunde – nicht einfach so hinnehmen sollen:

Weniger nächtliche Beleuchtung im öffentlichen Raum: bedeutet nämlich, dass Frauen sich weniger trauen werden, im finsteren (und das ist im Winter zwischen 16.00 und 7.30 früh – unterwegs zu sein. Geh ja nicht allein bzw. ohne männlichen Beschützer aus dem Haus – solches glaubten wir nach den 1960er Jahren für überwunden …

Weniger Freizeitangebote. Körperliche Fitness ist eh nicht wichtig, oder? Bliebe nur Joggen in der Stadt – aber, siehe oben …!

Alleinstehende und Ärmere (alleinerziehende, Mindestrentnerinnen …) werden sich als erste die energiekosten nicht leisten können.

Selber schuld, man bricht auch nicht aus aus dem Familienverband … Partner gewalttätig? Hätts nicht so eigensinnig sein sollen oder was immer …

Krankmachende Rollenklischees werden neu einzementiert.

Selbstversorgung im eigenen Garten wird wieder propagiert. Wer soll das machen? Die Gebildete Frau, die einen Chefposten bekleidet – nachdem sie morgens 2 Stunden den Kachelofen mit Holzscheiten beheizt, zwischendurch Brot gebacken, die Hendl gefüttert, Gemüse konserviert und Bier gebraut hat?

Krisen und Notstände aller Art werden immer auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen. Die Spitzen der Gesellschaft merken hingegen fast nichts …

Bemühen wir uns, dass es diesmal anders ist.

Heute war das letzte Vorbereitungstreffen für das Pfarrfest in Haid. Am 2. 10. ist es so weit:

Festgottesdienst, Pfarrfest mit Bratwürsteln, Kuchen, Getränken, Kinderprogramm …

Auf Schönwetter hoffen wir noch.

Kommen Sie do vorbei, wenn Sie in der Nähe zu Hause sind!

Oder: Veranstalten Sie bei sich in Ihrer Pfarrgemeinde ein erntedankfest, sollte es dort nich keines geben.

Die Predigt für Haid folgt in diesem Blog am Sonntag!

Dagmar Ruhm

Schreiben Sie mir:

Wofür sind Sie dankbar?

Vorvorige Woche war ich auf einer Reise durch Südfrankreich.

Die wirklich tolle Erfahrung, die ich mit dem Flughafentaxi gemacht habe, möchte ich euch nicht vorenthalten:

Kosten für eine Fahrt von St. Pölten zum Flughafen Wien-Schwechat: EUR 139,-

Parkgebühr am Flughafen ist genauso hoch.

Abholung pünktlich, Freundlichkeitsfaktor 100 %. Ich erwähnte, es war 3.50 am Morgen, dass ich leider meine Augentropfen im Koffer habe – der Fahrer meinte, kein Problem und hielt am nächsten Parkplatz auf der Autobahn, damit ich die Tropfen aus dem Koffer nehmen und verwenden konnte.

Er erzählte unterhaltsame Anekdoten aus seinem Taxifahrerdasein und brauchte für jede Fahrt ca. 50 Minuten.

Ja, ich ließ mich dann auch wieder abholen, als ich am 17. 9. ankam.

Bei der Hinfahrt gab es ja die Möglichkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln nicht, die stehen zwischen 23.56 und 4.50 still.

Ich musste vor dem Abflug um 5.25 am Flughafen sein.

Telefonnummer: 0660 9745181

Sie sind in besten Händen!

Bei Flugverspätungen kümmert sich das Unternehmen selbstständig um die richtige Ankunftszeit und erscheint rechtzeitig am Flughafen.

Predigt Erntedank 2022                                                      Pucking

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Danken für das, was uns Kraft und Energie gibt – das habe wir uns im Vorbereitungsteam heuer als Thema ausgemacht.

Anlass war da die Angst vor der drohenden Knappheit von Gas und der Verteuerung sämtlicher Energiequellen. Aber natürlich geht es um unsere Ressourcen als Menschen, als Christen – welche Kraftquellen stehen uns zur Verfügung? Geistig, spirituell …?

Kinder, ihr habt aufgezeichnet oder aufgeschrieben, was euch Kraft gibt für euer Leben. Schauen wir uns einmal eure Zeichnungen an:

…

…

…

Gründe für Verzweiflung gibt es derzeit viele. Krieg in europa, absurd hohe Inflation und die Gefahr kalter Wohnungen im Winter sind nur einige davon, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

So heute im Standard auf Seite 16.

Die Tageszeitung „Der Standard“ widmet an diesem Wochenende eine ganze Beilage dem Thema: Was können wir tun bei großen Sorgen – Menschen erzählen, wie sie mit extremen Situationen fertiggeworden sind, sie bewältigt haben. Ganz wichtig waren: Dankbarkeit für das, was gelungen ist, was schön ist – und Humor – dass wir was lustig finden und darüber lachen.

Dankbar werden wir und Kraft gibt uns, wenn wir uns erinnern, was wir schon alles geschafft haben. Wie wir in der Vergangenheit mit Schwierigkeiten umgegangen sind, wie wir Auswege, Lösungen gefunden haben.

Denn wenn es früher ging, dann ist klar, dass es jetzt, heute ebenfalls möglich ist.

Wir vergegenwärtigen uns, was uns irgendwann einmal Kraft und Energie gegeben hat – und wenden das Gelernte an.

Im Evangelium sagt Jesus, wir sollen uns nicht ängstlich sorgen – denn Angst ist eine schlechte Ratgeberin.

Problem- und Sorgenkoma, wo Menschen die Chancen und das Gute nicht mehr sehen können… das ist eigentlich keine Haltung, die für glaubende Christen angemessen ist.

Ja, wir können etwas bewirken – und wir sollen das auch.

Auch etwas ganz Kleines kann sehr hilfreich und kostbar sein. Und manchmal sehen wir den Wert noch auf den ersten Blick.

Wie bei einer Nuss.

Eine Nuss hat eine Schale. Eigentlich hat sie sogar zwei, die grüne ist bei diesen Nüssen schon weg. Diese harte Schale kann heute ein Hinweis sein: Um an die Nuss zu gelangen, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Uns ein anstrengen, ein bisschen zumindest.

Gott schenkt uns im normalen Leben alles mögliche, das uns zuerst ungenießbar vorkommt, hart, schwierig zu bewältigen… und wo wir erst nach und nach das Kostbare daran erkennen.

Ein Sprichwort sagt. Gott schenkt uns Nüsse, aber er knackt sie nicht auf.

Und das ist sehr gut so. sogar menschenfreundlich.

Wir wären auf Dauer gar nicht glücklich und zufrieden, wenn uns alles, was wir uns wünschen, auf dem Präsentierteller vor die Nase gestellt würde. Es macht uns froher, wenn unser Einsatz gefragt ist. Was von selber geht, ist uninteressant.

Gott hat uns schließlich Kräfte und Fähigkeiten gegeben.

In jeder Krise steckt eine Chance, die Möglichkeit, dass etwas anders wird, sich zum Besseren ändert in unserem Leben.

Und wir sollen etwas ändern auf dieser Welt, etwas bewirken. Z. B. Frieden, Fülle, Gerechtigkeit … das Reich Gottes. Dem soll unsere 1. Sorge gelten.

Jesus sagt: Um die Sorge, was soll ich essen, trinken, anziehen … usw. geht es den Heiden.

Ein Heide ist ein Mensch, der bewusst sein Leben ohne Gott gestaltet.

Ich glaube, Jesus möchte uns das lehren, da ist immer einer, der uns verwöhnt.

Wir können uns entscheiden: Für eine heidnische Denkweise. Die Angst, dass ich allein im Kosmos bin, auf mich gestellt, und dass das Recht des Stärkeren regiert.

Oder dafür, umzudenken und voller Dankbarkeit staunend zu bemerken: Gott schaut ständig, dass es mir gut geht. Liebe Brüder und Schwestern: Versuchen Sie es einmal!

Predigt                                                                                 28. 8. 2022

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was Jesus im Evangelium sagt, ist für uns 100%ig einleuchtend. Logisch und nachvollziehbar. Und das war es für die Gäste des vornehmen Simon damals auch.

Jetzt hat Jesus aber nicht wirklich im Sinn, als Trainer guten Benehmens zu wirken. Wenn er etwas sagt und lehrt, geht es ihm immer um Gott, um das Reich Gottes, um das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen.

Übrigens gab es Zeiten, in denen das, was Jesus da vermitteln möchte, überhaupt nicht verstanden, ja nicht einmal gesehen worden ist.

Im Mittelalter oder bis vor ca. 100 Jahren auch hier bei uns in unserem Land: da gab es die großen Standesunterschiede. Es wäre einem Grafen oder Baron nie im Leben eingefallen, mit den Knechten und Mägden, auch wenn sie freie Menschen waren und keine Leibeigenen, das gab es nämlich bis Maria Theresia auch in der Geschichte der Christenheit, zusammen am selben Tisch zu sitzen.

Ein absolutes NoGo. Geht nicht. Undenkbar.

So sehr undenkbar, dass man die Botschaft Jesu nicht wahrnehmen konnte. Außerhalb des Blickfeldes.

In der katholischen Kirche gab es Gegenden, da wurden in die Kirchenräume hinein sogenannte Sakramentshäuschen reingebaut: quasi ein „Extrazimmer“ nur für die Priester, wo die Wandlung und das Hochgebet gesprochen wurden – die Normalsterblichen, wie wir so schön sagen, sollten das nicht sehen – zu minder, nicht würdig, … oder was immer.

Vor ca. 30 Jahren war ich Pastoralassistentin in Hörsching. Da wurde mir von einem großen Bauern, der in den 60erJahren eingeheiratet hatte, erzählt, es hat 20 Jahre gebraucht, bis er am Stammtisch der örtlichen Bauern Platz nehmen durfte … War ja schließlich kein Hiesiger …

In Hörsching hat der Pfarrer, der war auch der größte Bauer im Ort, alles, wo dann der Fliegerhorst und der Flughafen entstanden, bis zur Zeit des 2. Weltkriegs übrigens 2 Pfarrerköchinnen gehabt: eine für sich und den Verwalter und Gäste, und eine fürs Gesinde …

Liebe Brüder und Schwestern, zum Glück sind wir alle bereits in einer Demokratie geboren worden und erzogen worden.

Bei Gott gibt es keine Rangunterschiede zwischen Menschen.

Und das hat Jesus sicher auch im Blick gehabt: Unter Glaubenden spirituellen Menschen gibt es auch so eine Art Wettbewerb oder Hierarchiebildung: Wer ist frömmer, wer betet mehr, wer ist fortgeschrittener im geistlichen Leben, näher bei Gott z. B. …

Eine Weisheitsgeschichte erzählt:

Einige Mönche streiten, wer von ihnen Gott näher sei. Ich bete länger, sagt der eine. Ich bin schon länger Mönch, sagt der nächste. Ich halte das Fasten am längsten durch. Ich die Stille und Einsamkeit. Ich begeistere am meisten durch meine Predigt. Ich bewege die Menschen zu großen Spendenbeträgen …… Und so geht es eine Zeit weiter …

Bis der Meister sagt: Am frömmsten von allen, weitaus frömmer als ihr, ist diese Bäurin, die da gerade vom Feld kommt.

Was, die? Schreien sie durcheinander – die betet doch fast nie… und im Tempel sieht man sie auch nur, wenn es unbedingt sein muss…

Gefäß in flacher Schale tragen ohne zu verschütten mit Wasser – im Kloster und auf der Hauptstraße. Zweiteres unmöglich.

Der Meister sagt: Ja, ihr betet viel. Mitunter den ganzen Tag.

Aber diese Bäurin arbeitet täglich hart auf dem Feld, versorgt ihre 6 Kinder und den gesamten Haushalt und hat oft keine freie Minute. Wenn sie am Morgen und Abend für einen kurzen Augenblick ihre Augen zum Himmel erhebt und ein kurzes Gebet stammelt oder auch nur einen Gedanken fasst, weil sie bei alldem nicht auf Gott vergisst, hat das droben mehr Gewicht als eure ausgesuchten Worte, für die ihr alle Zeit der Welt habt.

Gottes Tisch ist aber eine Tafelrunde. Jeder mit der gleichen Entfernung oder Nähe.

Am 7. August hatte ich ein eindrucksvolles Erlebnis von Hilfsbereitschaft.

Auf dem Weg zur Puckinger Kirche kam mir gleich nach meiner Hauseinfahrt mit stark überhöhter Geschwindigkeit ein weißes Auto entgegen. Reflexartig „sprang“ ich mit meinem PKW einen Meter nach rechts – auf den Gehsteig.

Noch etwas erschrocken setzte ich dann die Fahrt fort, schließlich hatte ich den Gottesdienst zu halten.

Im Verlauf der Fahrt, nach vielleicht eineinhalb Kilometern, leuchtete die Anzeige auf: Reifendruck niedrig. Er wurde immer niedriger, bis ich vor Hasenufer bei der dortigen Bushaltestelle an den Fahrbahnrand fhhr und stehen blieb.

Was tun?

Diakon sowie Gattin gingen nicht an ihr Mobiltelefon.

Also: Ein ehemaliger Pfarrgemeinderat, der unwahrscheinlich viele Menschen kennt … er war am Telefon, sagte: Ich bin in 5 Minuten bei dir – chauffierte mich zur Kirche, ich gab ihm meinen Autoschlüssel, hielt den Gottesdienst – und bald danach rief er mich an: Du hast schon einen neuen Reifen drauf …

Der Reifenhändler Eckmann in Haid hatte am Sonntag Vormittag extra aufgesperrt und gearbeitet…

Auch das Autohaus in Lunz am See, das ich noch am Vormittag anrief, war am Telefon und versprach, den passenden Reifen – es war ein nicht zum Modell gehöriger Reifen drauf – gleich am Montag zu bestellen…

Als ich den zur Verfügung gestellten Autoreifen nach der Urlaubswoche in Lunz zur Fa. Eckmann zurückbrachte, hieß es: Danke, das kostet nichts.

Ich finde das Verhalten aller Beteiligten sensationell!

Predigt                                                    Sonntag, 21. 8. 2022, 9.00

Liebe Brüder und Schwestern!

„Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel – weil wir so brav sind …“ …Sie kennen dieses Lied, haben es vermutlich auch schon selber gesungen.

Gerade haben wir gehört: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen …“ – was stimmt jetzt?

Ist das jetzt eine Drohbotschaft?

Will uns Jesus Angst machen?

Die Jünger fragen Jesus: Sind es nur wenige, die gerettet werden?

Was bedeutet das eigentlich: „gerettet werden“?

Jesus ist der Retter. Erlöser, Messias. Alle möchte er zu Gott führen, zum Heil, zu Freude, Fülle, Frieden…

In der Lesung haben wir das schöne Bild von den Menschen, die getragen werden von Gott persönlich ins vollendete himmlische Jerusalem.

Jesus lässt uns aber die Freiheit. Er benötigt unsere Zustimmung, dass wir uns von ihm tragen lassen. Er rettet niemanden zwangsweise, gegen unseren Willen.

Es gibt einen alten Witz, vor 20 Jahren wurde er über den Bischof Krenn erzählt, aber die Geschichte ist viel älter.

Also: Nach einem sintflutartigen Regen wacht der Bischof Krenn in der Früh auf und schaut aus dem Fenster. Das Wasser steht schon fast bis in den 1. Stock und gerade fährt ein Schlauchboot draußen vorbei und die Rettungsleute sagen. „Herr Bischof, schnell, steigen Sie ein, wir bringen sie hier raus.“

Der Bischof antwortet: „Nein danke, der Herr wird mich retten.“

Das Hochwasser steigt weiter, der Bischof geht 2 Stockwerke höher in den Dachboden. Dort fährt wieder ein Boot vorbei und will ihn retten. Er sagt: „Nein, danke, ich warte. Der Herr wird mich bestimmt retten.“

Das Wasser steigt weiter, der Bischof klettert auf den Domturm, und als er sich ganz oben an der Spitze anklammert, kommt ein Hubschrauber vorbei, die Rettungsleute drin sagen: Jetzt aber rasch, Herr Bischof, es ist höchste Zeit, steigen Sie ein …!“

Bischof Krenn antwortet: „Danke, sehr nett, aber nein – der Herr wird mich retten.“

Das Wasser steigt weiter, er geht unter und ertrinkt. Im Himmel begegnet er Jesus. Sofort macht er ihm Vorwürfe: Also wirklich, Jesus, ich hab so sehr auf dich vertraut, warum hast du mich nicht gerettet …?“

Jesus antwortet: „Du bist gut – ich habe dir doch 2 Rettungsboote und einen Hubschrauber geschickt … wieso hast du sie denn nicht benützt?“

Die Erzählung zeigt eine ungesunde Art von Frömmigkeit auf, da gibt es nur den Blick auf Gott, Mitmenschen werden absolut ausgeblendet.

Die Frommen zur Zeit Jesu waren wirklich fromm, gläubig, haben die Gesetze und Religionsvorschriften bis aufs I-Tüpferl eingehalten, und haben Jesus zugehört, mit ihm über religiöse Fragen diskutiert, ihn live erlebt, mit ihm gegessen und getrunken.

Aber eines haben sie nicht: Getan, was er wollte.

Ihre Herzen geöffnet. Menschen als Geschwister wahrgenommen.

Und so haben sie zwar ein religiöses Erlebnis oder intellektuelle Bereicherung oder sogar Sensationen ev. erlebt – aber alles blieb beim Alten.

Nichts ist neu geworden. Neu im Sinne Jesu, das Reich Gottes konnte nicht anbrechen bei ihnen.

Und warum nicht?

Sie haben sich nicht getraut.

Sie wollten brav sein, damit sie in den Himmel kommen.

Was bedeutet das denn, brav sein? – Leider nicht das, was es im Mittelalter bedeutet hat: nämlich tüchtig, tapfer, beherzt, unerschrocken, mutig…

Im Lied geht es übrigens im Text folgendermaßen weiter:

„Das sieht sogar Petrus ein …“ … Nein, der sieht das ganz und gar nicht ein. Er selber war nämlich BRAV im alten Wortsinn: Beherzt, ein Mensch der Tat – mit dem Potential, Fehler zu machen, und das hat er, und mit der Bereitschaft, sich vergeben zu lassen, was bedeutet: die Chance zum Dazulernen ergreifen.

Das ist Himmel. Die Welt Gottes: Wir sind kreativ und tüchtig. Und deswegen machen wir Fehler. Aber das ist normal und gesund.

Der Himmel ist keine Beamtenburg. Mein Opa hat in seinem Büro einen Spruch aufgehängt gehabt, der hat mich als Volksschulkind fasziniert:

Wer arbeitet, macht Fehler.

Wer viel arbeitet, macht viele Fehler.

Wer wenig arbeitet, macht wenig Fehler.

Wer wenig Fehler macht, wird befördert.

Wer keine Fehler macht …                             ist ein fauler Hund.

Oder wie Willi Hoffsümmer schreibt: Ein Mensch erschien vor dem Gericht des Herrn und sprach: „Siehe, Herr, ich habe dein Gesetz beachtet, habe nichts Unrechtes, Böses oder Frevelhaftes getan. Herr, meine Hände sind rein.“ Gott antwortet: „Ohne Zweifel, doch sie sind leer.“

Menschliche ängstliche Denkweise ist: Nur ja keine Fehler machen!

Wer glaubt, in den Himmel kommen zu können, sobald er/sie keine Fehler mehr hat, ist auf dem falschen Dampfer…

Wer das Risiko zum Fehlermachen eingeht und weiter bereit ist dazu – sich die Hände schmutzig zu machen, macht es im Sinne Jesu richtig.

Wir können üben, uns auf die Denkweise Gottes einzustellen. Wir können üben und lernen, uns beschenken zu lassen. Jetzt, in unserem unperfekten Tun und dann am Ende unseres unperfekten Hierseins…