Ich bin schön

Die meisten Menschen sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden.

Besonders Frauen kritisieren an sich selber häufig herum: Die Nase, die Zähne, die Beine, die Haut, die Frisur, die Haare, die Figur, die Größe, …

„Ich bin schön“ laut auszusprechen, das trauen sie sich nicht. Da gibt es Hemmungen, es erscheint irgendwie unangebracht, lächerlich, vermessen …

Sich selbst schön, attraktiv zu finden hat unmittelbar mit dem Gottvertrauen zu tun.

Der Gedanke erscheint Ihnen ungewöhnlich, da bin ich mir sicher.

Überlegen wir einmal:

Was ist Schönheit?

Wann trauen wir uns zu sagen, ein Mensch ist schön?

Ist schön sein gleichbedeutend mit makellos, perfekt sein?

Es gibt und gab im Lauf der Geschichte immer Schönheitsideale.

Demnach wäre Schönheit zeitbedingt, eine Geschmacksfrage, wenn man gerade der landläufigen Vorstellung entspricht?

Heute als Frau groß, schlank, zwischen 25 und 40, lange blonde Haare. Eine Barbiepuppe, die reden kann. Wie geklont, dass man sich gar nicht an das Gesicht erinnert …

In der Gotik, als die großen Kathedralen gebaut wurden, haben die Baumeister absichtlich kleine Fehler eingebaut. Perfektion ist unmenschlich.

Und doch geht es uns mit den gotischen Domen wie bei allen wirklich großen Kunstwerken so:  Das Herz geht uns auf beim Hinschauen, so dass wir gar nicht mehr wegschauen wollen.

Gott geht es so mit uns, mit jeder und jedem einzelnen, wenn er/sie uns anschaut.

Wenn wir keinen Zugang zur Spiritualität haben, wissen wir das nicht. Dann messen wir unser Schönsein, den Grad unserer Attraktivität, an den Reaktionen der Mitwelt. Dann tun wir so, als ob Schönheit relativ wäre – denn wer legt fest, was als schön gilt?

Wir wollen gefallen und passen uns an und sind unzufrieden oder unglücklich, weil irgendein Teil von uns oder auch der Großteil nicht dem gerade angesagten Ideal entspricht …

Die alte katholische Tradition (Mittelalter, Renaissance, Barock) hat das gemeint, als sie formuliert hat: Es ist egal, wie du aussiehst. Auf das Äußere kommt es nicht an.

Es ist aber dieser Satz auch wieder pervertiert worden, verwendet, um Schönheit und Attraktivität und das Streben danach zu entwerten. Mädchen und Frauen in Klosterschulen und in manchem puritanischen Umfeld haben manchmal ein richtiggehendes Faible für Hässlichkeit, Unattraktivität … es hat auch viel mit der Abwertung des Körpers zu tun.

Als ob Frömmigkeit und Schönheit einander ausschließen würden.

Gott ist schön.

Wir sind seine/ihre Ebenbilder.

Die Ignatianische Spiritualität hat als Ziel, das Beste aus dem Menschen zu machen.

Es gibt da eine unglaublich spannende gemeinsame Basis mit der feministischen Theologie.

Die heutige Übung (kann auch jeden Tag wiederholt werden):

Ich stelle mich nackt vor den Spiegel und stelle mir vor, wie Gott/Göttin ihre/seine wunderbare Schöpfung bewundert, liebevoll ansieht … ich entdecke meine schönen Seiten … und freue mich an mir …

Eine Anregung: Wenn es bei Ihnen zu Hause keinen großen Spiegel gibt, in dem sie sich von Kopf bis Fuß sehen können, ist es an der Zeit, einen zu erwerben – sobald der Lockdown vorbei ist!

Beim Sich schön Fühlen, bei der Attraktivität, geht es gar nicht um das Aussehen an sich.

Schön – das ist eine Kategorie der Ausstrahlung. Ein Ausdruck der Persönlichkeit.

Lebendigkeit, Lebenslust. Witz und Charme.

Die individuelle Note.

Das, was einzigartig ist an einem Menschen.

Was einer echten oder eingebildeten Norm entspricht, kann laut dieser Definition gar nicht schön sein …

Hilfreich ist vielleicht der Psalm 139, v. a. V 13-16

Ersetzen Sie beim Beten das Wort „HERR“ durch „Jahwe“! So steht es nämlich im Original.

 Für den Chormeister. Von David. Ein Psalm. HERR, du hast mich erforscht und kennst mich. 2 Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern. 3 Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen. 4 Ja, noch nicht ist das Wort auf meiner Zunge, siehe, HERR, da hast du es schon völlig erkannt. 5 Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt. 6 Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen. 7 Wohin kann ich gehen vor deinem Geist, wohin vor deinem Angesicht fliehen? 8 Wenn ich hinaufstiege zum Himmel – dort bist du; wenn ich mich lagerte in der Unterwelt – siehe, da bist du. 9 Nähme ich die Flügel des Nähme ich die Flügel des Morgenrots, ließe ich mich nieder am Ende des Meeres, 10 auch dort würde deine Hand mich leiten und deine Rechte mich ergreifen. 11 Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein! 12 Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag, wie das Licht wird die Finsternis. 13 Du selbst hast mein Innerstes geschaffen, hast mich gewoben im Schoß meiner Mutter. 14 Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke. 15 Dir waren meine Glieder nicht verborgen,/ als ich gemacht wurde im Verborgenen, gewirkt in den Tiefen der Erde. 16 Als ich noch gestaltlos war, sahen mich bereits deine Augen. In deinem Buch sind sie alle verzeichnet: die Tage, die schon geformt waren, als noch keiner von ihnen da war. 17 Wie kostbar sind mir deine Gedanken, Gott! Wie gewaltig ist ihre Summe! 18 Wollte ich sie zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.

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