Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Heilig – was ist das? Vielleicht schweben uns da noch so Bilder vor, wie es lange üblich war, eine Nonne, ein Mönch kniet auf dem Boden, die Augen verdreht Richtung Himmel, die Hände gefaltet …

Etwas blutleere Gestalten, nicht ganz auf dieser Erde, schon gar nicht mit beiden Beinen, schon fast jenseitig, tugendhaft und bedürfnislos …

 

Ich hab mir auch so was Ähnliches vorgestellt früher – in meiner

Heimatpfarre hat ein Kaplan einmal die Frage gestellt: wer von euch will heilig werden? Und wir haben reflexartig geantwortet: nein, sicher nicht.

 

Klar nicht – ich will schließlich das volle Leben.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich draufgekommen bin: ja, das volle Leben – und heilig – das ist ja ein und dasselbe! Das hat doch Gott gemeint.

 

Und da sind wir auf der richtigen Spur. „Heilig“, da steckt das „Heil“ drin, das Heil Gottes – Schalom – das Leben in Fülle, die volle Fülle – die können Menschen aus eigener Kraft nicht erreichen, die wird geschenkt. Von Gott.

 

Ich habe ein paar Bekannte gefragt, welche/r Heilige beeindruckt dich am meisten? Da wurden folgende genannt:

 

Franz von Assisi – weil er wirklich ganz arm und bedürfnislos gelebt hat, ohne Pomp – das, was er von Jesus als richtig erkannt hat

Hildegard von Bingen – sie hat es dem Domkapitel von Mainz „hineingesagt“, ihr Fehlverhalten, wo sie sich ändern müssen – als Frau auf dem Domplatz, öffentlich – wie die alttestamentlichen Propheten

Antonius – weil er alles findet, was ich verliere

Elisabeth von Thüringen – sie hat das gelebt, was sie als richtig erkannt hat,  ohne Wenn und Aber

Teresa von Kalkutta und Edith Stein, die ziemlich neu erst heiliggesprochen worden sind.

 

Jede/r von den Genannten hat etwas unglaublich Unerwartetes an sich: Franz und Elisabeth, Reichtum und Sicherheit total aufgeben. Teresa von Kalkutta – aus jeder Sicherheit heraus, sie war pensionsreif in ihrem Orden, hätte sich zur Ruhe setzen sollen und nicht sich in den Elendsvierteln häuslich niederlassen …

 

Die echten, klassischen Heiligen, die waren alle Originale, voll Blut und Leben, Vollblutmenschen und Vollblutchristen.

Sie haben ihre Berufung gefunden und gelebt.

Sie haben Jesus an die erste Stelle gesetzt in ihrem Leben. Damit auch 2 Verheiratete vorkommen: Hildegard Burjan – sie ist in die Politik gegangen als Abgeordnete und Franz Jägerstätter, der für seine Nachfolge gestorben ist.

 

Heute würde man sagen: Diese Menschen sind authentisch. Und ein bisschen verrückt. Sie haben was Neues eingebracht, das es vorher so nicht gab in der Kirche, in der Menschheit. Was Menschen wie du und ich niemals tun oder wagen würden.

Und dazu jetzt noch eine Frage: Warum eigentlich nicht?

 

Ist es wirklich das Wichtigste im Leben, was andere von uns denken? Oder: Nicht aufzufallen? Überschaubare immer gleiche Sicherheit?

 

Ist das das Leben in Fülle?

Nicht wirklich, oder?

 

Die großen Heiligen haben das Risiko nicht gescheut. Manche sind im Inquisitionsgefängnis gewesen, manche als Märtyrer gestorben, viele wurden ausgelacht von ihren nächsten Angehörigen, sind bei den ersten Versuchen turmhoch gescheitert … aber alle haben genau das gemacht, was für sie richtig war. Glückliche Menschen. Erfüllung gefunden, weil sie ihrer Berufung gefolgt sind.

Bürgerliche Behaglichkeit ist nichts Verkehrtes – aber Leben in Fülle ist mehr, unermesslich viel mehr.

Lassen wir uns auf den Geschmack bringen.

Heute noch eine Anmerkung zum Hildegardzentrum des Klosters Gut Aich.

 

Seit 1997 werden verschiedene Behandlungen und Therapien angeboten, auch Ärzte bzlw. die Krankenkasse schickt Menschen hin.

Ganz- und Teilmassagen, Hot Stone, Moorpackungen, Darmreinigung, Physiotherapie, Psychotherapie, Bäder …

Buchen per Telefon oder auf der Homepage:

06227 231880

www.europakloster.com/Hildegardzentrum

 

 

Heute hatte ich mein erstes Begräbnis in Pucking – und gleich ein merkwürdiges Erlebnis.

Bei der Zehrung sprachen mich zwei Verwandte des Verstorbenen an, die aus Niederösterreich stammen – der eine meinte verwundert, er habe „so etwas noch nie gesehen“ (dass eine Frau bzw. Laie ein Begräbnis hält). Der andere ist Diakon in Wieselburg, er äußerte sich ähnlich, ihm dürfte aber bereits bekannt gewesen sein, dass es anderswo (außerhalb der Diözese St. Pölten) „so etwas gibt“.

Nun ja.

Wieder etwas dazugelernt.

Habe heute auch darüber nachgedacht, wie lange ich eigentlich schon Begräbnisdienst mache.

Seit 10. 2. 2000.

Sicher über 100 allein, genauso viele zusammen mit einem Priester, wo ich den Gottesdienst, die Predigt gestaltet und oft die Feier auf dem Friedhof übernommen habe.

 

 

Habe heute einige Stunden im Europakloster verbracht – Benediktiner für Europa in Gut Aich, Gemeinde St. Gilgen am Wolfgangsee.
Was es dort alles gibt, könnt ihr euch selber auf der entsprechenden Webseite anschauen:

www.europakloster.com

 

Ein Tipp: Möglichst rasch anmelden, viele Kurse sind Monate im Voraus ausgebucht.

 

Das Seminarprogramm findet ihr ebenfalls auf der Homepage.

Predigt                                                       26./27. 10. 2019

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Also doch die althergebrachte Einstellung: Man darf nicht stolz sein auf das, was man geleistet, geschafft hat? Gott freut sich also doch, wenn wir ständig mit hängendem Kopf herumlaufen und uns als „arme Sünder“ fühlen …

So ist es oft und oft, jahrhundertelang gesagt worden.

Aber stimmt das wirklich?

Kann Gott das wollen?

Hat Jesus mit diesem Evangelium das gemeint?

 

An einer anderen Stelle sagt er, wir sollen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen.

 

Der Evangelist Lukas sagt in der Einleitung zu dieser Stelle ganz genau, wem das Gleichnis gilt.

Vielleicht haben wir nicht genau zugehört:

„In jener Zeit erzählte Jesus einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, dieses Beispiel.“

 

Natürlich dürfen wir und sollen wir uns freuen und stolz sein, wenn wir Fähigkeiten haben, etwas gelingt, wenn wir etwas leisten. Das ist gesund und normal, uns wir brauchen das, es ist lebensnotwendig. Menschen, die in ihrem Tun keinen Sinn erkennen, die keine Erfolge erleben, werden depressiv.

 

Was nicht geht:

Sich besser fühlen als andere, auf sie herabschauen, das Evangelium sagt „verachten“, und zwar im religiösen Sinn – es gibt immer wieder, auch heute noch, Menschen, die meinen, sie sind vor Gott mehr wert und ihm näher und vertrauter als andere. Die anderen nämlich, so meint man, haben nicht ganz den richtigen Glauben, sind nicht fromm genug, ein Wahnsinn, was die alles tun bzw. nicht tun … an was sich die alles nicht halten …

Was, der fastet am Freitag nicht, betet keinen Rosenkranz, war noch nie in Medjugorje, was, die gehen nicht einmal jeden Sonntag in die Kirche, …

 

In unserem Land gibt es Kreise, besonders fromme Katholiken, die haben allen Ernstes die Meinung vertreten, wahrscheinlich tun sie es heute noch, wenn jemand bei der Plattform „Wir sind Kirche“ dabei ist oder bei der laien- oder Priesterinitiative, dann stehen die nicht mehr innerhalb der Kirche …

Ich hab mit einem – ein junges Bürscherl, der in keiner Pfarre beheimatet ist, eine Diskussion gehabt, hab ihn gefragt, ob er das tatsächlich glaubt, dass viele moderne Priester, die 2 oder 3 Pfarren haben, oder Pfarrgemeinderäte, Haupt- und Ehrenamtliche, die durch ihren oft lebenslangen Einsatz das Leben in den Pfarren aufrechterhalten, woher er die Berechtigung zu nehmen glaubt, auf die schimpfen zu dürfen. Bloß weil er die Notwendigkeit nicht einsieht, dass sich diese für dringend nötige Reformen in der Kirche einsetzen.

 

Jetzt ist aber diese Denkweise viel weiter verbreitet als wir glauben. Sich besser vorkommen als andere – wo erleben wir das selber? Wo denken wir selber so?

Sind wir nicht alle ständig der Versuchung ausgesetzt, wenn wir gläubig sind, anderen weniger Glauben oder Gutsein zuzutrauen als und selber – weil sie z. b. in der Ehe oder im Beruf gescheitert sind, weil sie aus dem Ausland kommen, sich anders benehmen, anders aussehen, sich anders kleiden oder ernähren als wir selber? Eine ganz neue Studie besagt, dass Behinderte in Österreich noch immer nicht für voll genommen werden. Wir sind – im Gegensatz z. b. zu den USA, Kanada, Großbritannien oder den skandinavischen Ländern auf dem Stand der 70er-Jahre stehengeblieben.

 

Jesus will uns mit dem heutigen Beispiel sagen: Achtung! Es ist nicht, wie ihr glaubt.

Gott liebt uns nicht, weil wir tüchtig und erfolgreich sind – im Leben oder in religiösen Dingen. Gott liebt uns nicht, weil wir beten und in die Kirche gehen, spenden und den Kirchenbeitrag pünktlich zahlen, weil wir uns in der Pfarre oder sozial wo besonders engagieren.

Ja, Gott freut sich mit uns, wenn wir das alles tun, aber lieben tut er uns, weil wir am Leben und seine Kinder sind.

 

Haben sie Kinder?

Wenn es mehrere sind: Lieben Sie Ihr Kind, weil es lauter Einser hat, besonders schön ist, im Fußballmatch ein Tor geschossen oder im Musikwettbewerb einen Preis gewonnen hat? Lieben Sie es nicht, wenn das alles nicht ist? – Na eben, klar lieben Menschen die eigenen Kinder, vielleicht mit besonderer Sorge und Energie, wenn sie sich schmutzig oder etwas falsch gemacht haben, wenn sie Schwierigkeiten bekommen, auf die schiefe Bahn geraten, krank werden usw.

Und wehe, ein Außenstehender würde dann über das eigene Kind schlecht reden, die Mutter möchte ich sehen, mit der man es dann nicht zu tun bekommt …

 

So liebt Gott jede und jeden von uns.

Liebe Brüder und Schwestern, der Zöllner im Evangelium wird von Jesus nicht gelobt, weil er sich unter Umständen falsch verhalten hat. Der Zöllner verhält sich Gott gegenüber richtig, wie ein Kind, das sich mit seinen Fehlern und Verletzungen, mit allem, was falsch rennt im Leben, nicht versteckt, sondern sich hinstellt und dies alles in Ordnung bringen lässt. Der weiß, dass er mit all dem kommen darf. Willkommen ist. Gott will ihn bei sich haben, Hauptsache, er ist da, wurscht die Beleitumstände.

 

Der Pharisäer erfasst nicht, wie Gott ist. Sein Beten bleibt unpersönlich. Gott ist wie ein Firmenchef, ein König, dem man da präsentiert, was man leistet – und das was im Leben weniger ok. ist, die eigene Persönlichkeit, das Privatleben, geht den nichts an. Der gute Bürger lässt sich auf keine nähere Beziehung ein. Er öffnet sich nicht. Und bleibt veränderungsresistent. Beziehungsunfähig. Nimmt Gott nicht ernst. Benutzt Religiosität dazu, sich gut zu fühlen, zur Selbstbestätigung.

Der Zöllner kommt mit der authentischen Wirklichkeit seiner gesamten Persönlichkeit – und die ist nicht perfekt. Er versteckt nichts.

Und so hat er – das, was Gott von uns möchte, worauf es ankommt: eine Begegnung mit Gott, eine lebendige, von Person zu Person.

 

Predigt                                                                St. Leonhard, 26. 10. 2019

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Sankt Leonhard, der Löser der Ketten und Befreier der Gefangenen. Er hat sich tatsächlich für die Freilassung Inhaftierter – die waren damals in Verliesen – eingesetzt.

Es werden heute später auch Pferde gesegnet, der heilige Leonhard wird traditionsgemäß auch mit dem Großvieh, Rindern, Eseln und Pferden, in Verbindung gebracht und als deren Schutzpatron verehrt.

Die (zerbrochenen) Ketten, mit denen er üblicherweise dargestellt wurde, hat man als Tierketten verstanden.

Ursprünglich riefen Menschen den Hl. Leonhard bei unrechter Inhaftierung an. Mehrere Legenden schildern, wie Ritter, die im Zuge der Kämpfe mit muslimischen Mauren in Gefangenschaft geraten waren, ihn anrufen und auf wunderbare Weise befreit werden.

 

Das Befreien von zu Unrecht Gefangenen gehört zutiefst und schon seit den Anfängen zur christlichen Tradition. Der Messias wird auch als Befreier von (politischen) Gefangenen erwartet, die gab es nämlich, man hatte ja die römische Besatzungsmacht im Land … und Jesus stellt sich auch so vor. Ich bin gekommen, den Gefangenen die Freiheit zu verkünden.

Die ersten Christen haben Geld gesammelt, um getaufte Sklaven freizukaufen, man empfand es als absolut unpassend, dass Getaufte, freie Bürger des

Reiches Gottes, im römischen Staat als Unfreie leben sollten, und hat etwas dagegen unternommen.

Wenn wir uns bei Amnesty International oder CSI, Christen in Not für politisch, weltanschaulich oder religiös Verfolgte einsetzen, stehen wir in einer guten Tradition.

 

Jetzt hat aber das Befreien, das Lösen oder Sprengen von Ketten weitere Dimensionen.

 

Zunächst das Befreien aus dem Tod. Es gibt eine Reihe von Bildern, die Jesus als Auferstandenen zeigen, wie er an den Händen links und rechts die Verstorbenen aus der Unterwelt herausholt ins Licht, in seinen Bereich, in den Himmel.

 

Dann natürlich das Befreien von der Sünde, das Jesus bewirkt. Und da steckt mehr dahinter als die schnelle Lossprechung nach einer noch schnelleren Aufzählung von Verhaltensweisen, die uns verkehrt vorkommen.

 

Und da kommen wir zum heutigen Evangelium.

 

Vielleicht kommt es uns erheiternd vor, wie der Pharisäer betet, selbstgerecht wie aus dem Bilderbuch. Natürlich können und sollen wir, wenn wir beten auch Danke sagen für all das Gute, das uns geschenkt ist, Herkunftsfamilie, Wohlstand, Erziehung, Bildung, auch dass wir glauben können.

Aber natürlich geht es nicht, auf andere verächtlich herabzusehen – die die all diese Vorteile nicht haben…

 

Jesus ist gekommen, um Ketten jedweder Art zu entfernen, im übertragenen Sinn: die der eigenen beschränkten Sicht, der Unwissenheit, der religiösen Sturheit, des Fanatismus,… er möchte uns den Klotz am Bein entfernen, der Standesdünkel heißt und Vorurteil. Selbstgenügsamkeit, nichts mehr dazulernen, keine neuen Menschen kennenlernen wollen.

Die gesellschaftlich üblichen Schranken will er aufheben: jede Art von Diskriminierung, Feindschaft oder auch Angst.

Und klarerweise alles, was Menschen knechtet, unfrei sein lässt: Zwänge, Süchte, weltanschauliche sogenannte verschlossene Türen, Tabus, menschenfeindliche Gesetze, und seelische und körperliche Krankheiten sowieso.

Der Unterschied zwischen dem Pharisäer und dem Zöllner besteht darin, dass der Pharisäer seine Unfreiheit nicht merkt, seine Ketten nicht spürt. Er hat sich darin eingerichtet, ja er profitiert sogar davon, weil er sie benützt, um sich im Vergleich zu anderen gut zu fühlen.

Der Zöllner weiß genau, was nicht passt in seinem Leben. Gott, sei mir Sünder gnädig meint, hilf mir, ich selber schaffe es nicht. Er bittet Gott darum, befreiend in sein verkorkstes Leben einzugreifen.

 

Dass auch wir – alle – das tun, dazu will uns Jesus ermutigen.

 

Halten wir ihm unsere Ketten hin, die wir aus eigener Kraft nicht loswerden: Gewohnheiten, Denkweisen, verfahrene Situationen, alles wo wir glauben es muss so sein aber im Grunde darunter leiden, fixe Vorstellungen, Festlegungen anderer, wie wir angeblich immer seien oder zu sein haben, Feindschaften, Beziehungen, Gruppenzwänge, die Weltlage und und und …

Wir brauchen nur sagen, wir wollen das nicht mehr…

 

Heilige haben die Aufgabe, auf uns Menschen ein bisschen ein Auge zu haben – wie ältere Geschwister auf Kleinere. Bitten wir den Heiligen Leonhard, dass er sich für uns einsetzt, wo wir unfrei sind. Als Befreier aktiv wird Jesus, Gott, selber.

Wir brauchen uns nur überraschen lassen, wie und wie sehr.

 

 

Ich lese sie seit vielen Jahren:

Die Zeitschrift „Kupfermuckn“ erscheint monatlich und wird von Obdachlosen hergestellt.

Herausgeber und Inhaber ist der Vorstand des Vereins „ARGE für Obdachlose“.

 

Die Artikel werden z. T. von Obdachlosen selber, z. T. von Profis geschrieben und sind jedesmal höchst interessant, z. b. in der Oktoberausgabe ein Interview mit Landesrätin Birgit Gerstorfer „Was braucht der Mensch zum Leben“.

Immer befindet sich ein Portrait eines/r Obdachlosen im Blattinnneren.

LESEN!

 

Kostet 2 Euro,von denen 1 Euro dem Verkäufer/der Verkäuferin als Verdienst bleibt.

Bald (Sa., 26. 10.) ist in Pucking Leonhardiritt … und die Festvorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren.

Die Kirche St. Leonhard wurde geputzt, ein neuer Staubsauger wurde gekauft, die Gottesdienstgestaltung hat begonnen…

Ich suche gerade nach möglichst vielen relevanten Informationen über den genannten Heiligen – wenn ihr etwas wisst, bitte teilt es einfach mit.

Am Samstag stelle ich dann die Predigt in den Blog.

Predigt                Weltmissionssonntag 20. 10. 2019 Haid

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Warum begehen wir jedes Jahr den Weltmissionssonntag?

Steckt da nicht wieder dieser längst überwundene Versuch und Anspruch dahinter, wir Christen, vorzugsweise die katholischen, müssten allen anderen unseren Stempel aufdrücken, sie durch unsere Religion beherrschen, null Toleranz, weil außerhalb der Kirche kein Heil?

Und wir denken mit Grausen an verschiedene Fehlentwicklungen der Geschichte zurück…                      Wir spüren: Kann so nicht gemeint sein.

 

Jesus gibt tatsächlich seinen Jünger/innen, uns im Evangelium den Auftrag: „„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen. Macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“

Daran kommen wir nicht vorbei. Also was jetzt?

 

Schauen wir uns das heutige Evangelium an. Ich denke, das bringt uns weiter.

 

Jesus spricht da von einem Richter, der Gott und die Welt nicht fürchtet, wir würden heute sagen, ein Promi, der es sich offenbar ohne Rücksicht auf wen immer leisten kann zu machen, was er will. Die arme Witwe, die Mindestrentnerin am Stadtrand von Haid ist ihm an sich denkbar wurscht.

Was ihn nervt, ist ihre Aufdringlichkeit, ihr Durchhaltevermögen, mit dem sie ständig urgiert, auf ihr Recht pocht … bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, wo sie auf ihn trifft.

Lästig. Und irgendwann reicht es ihm, und er sorgt für Recht und Ordnung, die arme Frau bekommt, was ihr zusteht.

Nicht weil er einsieht, dass sie Recht hat und weil es sich so gehört.

Nur damit Ruhe ist.

 

Jesus geht es mit diesem Gleichnis darum zu demonstrieren, wie Gott ist. Nämlich anders als der geschilderte Richter. Ganz, ganz anders. Und zu dem dürfen wir vollstes Vertrauen haben, wenn wir beten.

Es ist der Gott, der ständig voll Liebe jeden einzelnen Menschen im Blick hat, gerade auf die schaut, die normalerweise übersehen werden: die Armen, die Frauen, Kinder, Fremden. Auf ihre Gebete hört und sie erhört. Ihnen unverzüglich zu ihrem Recht verhilft.

Um diesen Gott geht es übrigens auch schon im gesamten Alten Testament.

 

Dessen Botschaft an den konkreten Menschen lautet: Du bist gemeint. Alles, was in der Welt des Altertums wichtig war, weil es das Überleben garantierte: Volkszugehörigkeit, fester Wohnsitz in der Stadt, materieller Reichtum, der Schutz des Patriarchen, des Stammesoberhauptes, möglichst zahlreiche Nachkommen …: das ist obwohl es gleichzeitig als Ideal noch in den Texten geäußert wird, im Grunde schon überwunden und aufgehoben in den direkten Schutz und Kontakt Gottes als das Eigentliche, worauf es ankommt. Der allein das Leben sichert.

An den äußersten Rändern – geografisch, sozial und religiös gesprochen – sind die Orte und Menschen, die bei Gott besonders angesehen sind.

 

Menschen in Lateinamerika – darin besteht die Theologie der Befreiung – bekommen im Bewusstsein dieser Tatsache die Kraft zum Durchhalten, wenn es um ihre Rechte geht. Die Mächtigen z. B. in Brasilien behandeln Menschen am Rand, die Indios, deren Lebensraum sie unrechtmäßig beschneiden und zerstören, die Slums anzünden oder wegbaggern lassen, die Plantagenarbeitern den Lohn vorenthalten, Straßenkinder erschießen oder zwecks Organspende kidnappen lassen … ja, behandeln diese Menschen tatsächlich so, als ob sie nicht der Rede wert wären, wurscht, was mit ihnen passiert, vernachlässigbare Größen. Politische Führer sprechen vom Menschenmaterial …

 

Die christliche, biblische Botschaft richtet all diese Übersehenen auf, weil sie lehrt, sie sind jede/r für sich Kind und Ebenbild Gottes.

Aus diesem Glauben heraus bekommen – der vertriebene Landarbeiter, die zur Prostitution gezwungene Nigerianerin oder Rumänin, die flüchtende Kurdenfamilie, der drogensüchtig und kriminell gemachte Jugendliche in der südlichen Millionenstadt – Kraft, sich einzusetzen, immer und immer wieder, und wir in den reichen Ländern bekommen die Kraft, uns nicht herauszuhalten, weil uns nicht mehr egal ist, was mit unseren Geschwistern geschieht. Denn Gott im Himmel, zu dem wir optimalerweise eine persönliche Beziehung haben,  ist es nicht egal. Die Botschaft des AT: Gott sagt, ich würde alles für euch Menschen tun. Die Botschaft des NT: Ich habe im Vollsinn des Wortes alles für euch getan.

Wenn wir beten, wächst das Vertrauen, dass dieser Gott sich der Sache annimmt.

Gemeinsam beten verstärkt die Wirkung.

Eindrucksvoll, wie in der Lesung geschildert wird, dass 2 andere dem Mose helfen, damit er ungestört beten kann.

Es genügt offenbar nicht, die Sache mit dem Beten dem charismatischen Führer, den Religionsobrigkeiten…  zu überlassen. Genau auf die, die zusätzlich noch aktiv werden, kommt es an.

 

Beim Beten – im direkten Austausch mit Gott – fällt uns auch ein, wie wir bestmöglich handeln können.

Gemeinsam handeln verstärkt das Ergebnis, wie der Zusammenschluss der Initiative Eine Welt mit den Weltläden es macht. Faire Produkte erzeugen und kaufen, wo die Kleinbauern und – handwerkerinnen in der 3. Welt soviel verdienen, dass sie überleben können; sich informieren über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge, schreiben, Zeitung lesen, anrufen, selber anders zu leben beginnen. Nicht alles konsumieren, was es im Angebot gibt.

 

Es geht für Christen nicht, es ist nicht drin, dass wir uns heraushalten aus dem Geschehen, ins Privatleben zurückziehen und Entscheidungen, die die Welt im ganzen betreffen, sogenannten Großkopferten überlassen …

 

Wie würde die Welt ausschauen, wenn uns bewusst ist: Auf jede/n kommt es an …?

In Eferding war heute der „Tag der offenen Ateliers“.

Habe mir eine Kunstausstellung im Bräuhaus und die Fotoausstellung im ehemaligen Gasthaus Peschka angeschaut.

Die Galerie in der Schmiedgasse vis à vis war leider geschlossen …

 

Eindrucksvoll. Motiviert auch zu einem Spaziergang zu Orten der Stadt, die man normalerweise nicht aufsucht, weil man im Alltag nicht vorbeikommt.

Ein schönes Erlebnis.