Predigt zur Firmvorstellung Christkönig 2019
Liebe Firmkandidaten,
liebe Brüder und Schwestern!
Ist der, der da
gerade am Kreuz stirbt, ein König? Oder nicht doch eher ein Looser. In jeder
Beziehung?
Wie soll ein König aussehen,
woran erkennt man, dass jemand ein König ist?
Könige – die gab es –
damals, in der „guten alten Zeit“ … Als die Welt in Ordnung war. Zeit vom Hl.
Leopold? Oder Maria Theresia oder Kaiser Franz Josef … ?
In den 60er-Jahren?
Die Vermutung liegt
nahe, dass die „gute alte Zeit“ immer die eigene Jugendzeit ist, wo man voller
Tatendrang, voller Pläne und Hoffnungen war und sich gen zurückerinnert …
Für die Juden zur
Zeit Jesu war die gute alte Zeit die des Königs David und Salomo. Fromm und
gerecht, auf der Seite der Schwachen, das Reich in Sicherheit, Frieden und
Wohlstand … eine Ära, die im nachhinein golden oder ideal erscheint. Sicher
besser war als davor und danach, deswegen verklärt wird.
So einen 2. David
erwarten die Juden – auch heute noch. Ein Nachkomme Davids, der ein ideales
Reich Israel wiederherstellt, die äußeren Feinde vernichtet, die weniger
Frommen bekehrt, für Recht sorgt, einen Ausgleich zwischen Arm und Reich, dass
alle dieselbe Würde und Geltung haben im Land, Recht spricht ohne Ansehen der
Person …
Zu Jesu Zeit hat es
bereits viele Prophezeiungen gegeben, woran dieser König zu erkennen sei, was
er tun würde usw.
Jesus hat mehrere
dieser Erwartungen erfüllt, ja sogar übertroffen: Wunder, Heilungen, gleicher
Wert aller Menschen, egal ob arm, reich, Mann, Frau, Kind, Krank, Gesund …
Ausländer, Sünder … alle in die Mitte geholt vom Rand, Frieden in den Herzen
gestiftet durch die Sündenvergebung.
Nur die eine nicht:
als irdischer König mit Waffengewalt aufzutreten, eine neue politische Ordnung
zu errichten.
Mein Reich ist nicht
von dieser Welt.
Dies wurde ihm zum
Verhängnis. Die führenden Schichten waren enttäuscht. Sie haben sehr wohl
gehofft, dass dieser Jesus er Messias sei – aber dass er so af irdische Macht
verzichtet, das passt nicht, dann muss er ein religiöser Spinner sein so wie
viele andere vor und nach ihm auch. Weg mit ihm.
Hätte Jesus den
Erwartungen entsprochen, diese Szene, wo er gekreuzigt wird, gäbe es gar nicht.
Wenn du der erwartete
große König bist, rette dich unduns… In unserer heutigen Redeweise würden sie
sagen: Du Jesus bist ein Looser, mit dir wollen wir nichts zu tun haben.
Viele Menschen wollen
mit dem Christentum nichts zu tun haben, weil sie meinen, es ist eine Religion
der Looser.
Aber – ist es das?
Jesus ist auferstanden,
ja, er ist ein König. Könnte es nicht sein, dass er zu uns sagen möchte: Aber
eure allzu irdischen befangenen traditionellen Vorstellungen von oben und
unten, von Herrschaft und Macht und weltlichem Sieg und religiöser und
staatlicher Ordnung, die mag ich nicht, mit mir nicht. Ich habe Besseres mit
euch vor, ganz anderes.
Der Verbrecher am
Nebenkreuz begreift: das ist der, der kommen sollte! Jesus ist der, dem alle
Macht gegeben ist.
Der Tod am Kreuz war
unter anderem notwendig, dass wir Menschen endlich die Angst vor Gott ablegen.
Die Befürchtung, Gott könnte es schlecht mit uns meinen. Wir hätten kein
schönes Leben mehr, wenn wir religiös werden …
Dabei haben wir ein
schönes Leben, wenn Jesus in unserem Leben Raum bekommt und wir ihm erlauben,
dass er alles in Ordnung bringt, was nicht ok ist. All diese Dinge, nach denen
wir uns richten: Meinung der Whatsappgruppe, der Facebookfreunde, der Werbung,
der Schulklasse, der Wirtschaft und der politischen Zwänge, ungute
gesellschaftliche oder auch religiöse Traditionen, unserer schlechten
Gewohnheiten, unsere Süchte, Genussmittel, Vorurteilen, fixen Ideen, Handicaps
usw und so fort …
Wenn wir Jesus
unseren König sein lassen, dann befreit er uns von allem, was irgendwie Macht
über uns ausüben will. Er duldet nicht, dass wir uns zu Sklaven machen lassen –
von wem oder was auch immer.
Und wir brauchen es
nur wollen und ihn bitten darum.