Predigt                                                         4. und 5. 9. 2021 Pucking

Liebe Brüder und Schwestern!

Jesus heilt einen, der taubstumm ist. Ein wirklich ganz bekanntes Evangelium.

Viele stellen die Frage: Und? Heilt Gott heute nicht mehr? Und warum nicht?

In manchen kirchlichen Gruppen wird zu Heilungsgottesdiensten eingeladen. Oft gibt es einige innerhalb kurzer Zeit. Es kommen da immer wieder die gleichen Menschen. Ich frage: Ist Ihnen jemand bekannt, der da geheilt worden ist? Außer einer einzigen Person 1992 niemand. Mir nicht.

Es gibt große charismatische Heilungsgottesdienste, wo Menschen immer wieder berichten, dass und wie sie geheilt worden sind.

Aber warum sind das so wenige?

Bei Jesus im Evangelium heißt es immer, er heilte viele oder sogar alle, die man zu ihm brachte.

Ist Gottes Gnade begrenzt?

Ich glaube ganz ernst, Gott will alle und immer heilen.

Aber ich bin auch davon überzeugt, dass Gott oder der Heilige Geist den Menschen dort zuerst heilt, wo der die Heilung am nötigsten hat.

Der Mann im Evangelium ist „taubstumm“. Schrecklich genug, und Grund genug, dass er geheilt werden möchte.

Das griechische Wort, eigentlich sind es zwei, bedeutet nicht nur taub, sondern auch verschlossen, dumm. Gleichzeitig ist er „schwerredend“.

Es gibt Menschen, die sind „zu“. Sie haben sich zugemacht, abgeschottet vom Leben, von der Umgebung, von der Umwelt, von den Mitmenschen … sie wollen unbeteiligt sein, unberührt vom Schicksal der anderen, unbehelligt, nur nichts anderes und Neues bitte…

Dicht gemacht. Keine Chance, kein Einfallstor für die Gnade Gottes. Da kommt und dringt nichts durch. Abgeschirmt. Von Gott und den Mitmenschen.

Ein anderes Wort dafür lautet: Sünde (von absondern). Teilnahmslos.

Bei der Feier der Taufe gibt es den Effataritus. Gott möge dem Täufling Ohren und Mund öffnen, so habe ich wie seit 22 Jahren auch heute bei einer Taufe in Haid gebetet, damit das Kind lernt, auf Gott zu hören und die frohe Botschaft zu bekennen vor den Menschen.

Ich glaube, wir spüren schon den Zusammenhang mit dem Text und Anliegen der Lesung.

Vor lauter Tradition und Verhaltensregeln und Angelerntem und Altgewohntem können Menschen so verblendet sein, dass sie die extremsten und furchtbarsten Zustände für normal, ja gottgewollt halten.

Sklavenhaltung. Unterdrückung der Frau. Heiliger Krieg. Verfolgung, Folter, Mord im Auftrag Gottes?! Intoleranz.

Oder auch nur eine Gesellschaftsordnung, die so alt und gewohnt ist, dass die Botschaft Jesu dagegen nicht ankommt, nichts ausrichten kann, keine Chance hat.

Reiche, vornehme vorne auf den guten Plätzen, Arme hinten. Klar, wie auch sonst… Wer zahlt, hat recht … In den USA ist es so bei den Freikirchen, kein Kirchenbeitrag – da ist die Gefahr sehr groß – der Großspender setzt sich durch – Fundamentalismus.

Jakobus meint: So nicht. Das, was ihr da treibt, hat mit Christentum nichts zu tun.

Wo war denn Jesus immer? Wen rückte er ins Zentrum? Wo nahm er seine Apostel her, fand er Freunde?

Also bitte.

Gott ist groß und menschenfreundlich genug, um alle und alles zu heilen und absolut alles in Ordnung bringen zu wollen.

Nicht nur die körperlichen Gebrechen. Es gibt schließlich was, das ärger ist. Störender im Heilsplan Gottes.

Die sozialen Sünden, der Dünkel, der falsche Stolz, der Irrglaube, als Mensch mehr zu zählen, weil man reicher, vornehmer, schöner, erfolgreicher, gesünder, von bestimmter Nation, ist …

Die Äußerlichkeiten können so stark sein, dass Menschen tatsächlich und wirklich „zu“ sind für den Anruf des Heiligen Geistes.

Es ist nicht so, dass Gott uns nicht erhören würde, wenn wir beten. Davon kann keine Rede sein.

Aber, liebe Mitglaubende. Ist es nicht angebracht, dass auch wir immer besser auf Gott hören – es zumindest versuchen? Unsere Wünsche sind immer wieder einmal kurzsichtig und allzumenschlich. Was uns unfähig macht, auf das Ganze zu sehen, die Zwischentöne zu hören, das Offensichtliche mutig an- und auszusprechen, das möchte Jesus heilen. Unsere Verletzungen, schlechten Erfahrungen – halten wir sie ihm hin, lassen wir uns berühren – jede Begegnung – Gebet, Schrift, Sakrament, Reden, Lesen über den Glauben – mit dem Herrn wirkt heilsam auf uns.

Gott bringt mehr in Ordnung als die körperlichen Symptome. Glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung.

Und Gott handelt aus lauter Freundlichkeit und schenkt immer mehr und Besseres, als wir erbitten …

Ich möchte Sie einladen: Machen Sie sich auf, Ohren, Herz … für die Wirklichkeit.

Heute bekommt ihr wieder einen Vorschlag, wie ihr beten könnt:

Singt ein religiöses oder spirituelles Lied, das euch gut gefällt und euch „erhebt“ – gleichgültig, ob klassisch oder modern, ob künstlerisch wertvoll oder kindgemäß.

Setzt euch allein irgendwo hin, beim Autofahren geht es auch gut, und singt es. Zuerst auswendig. Wenn eure Textlücken wirklich erheblich und störend sind, besorgt euch den Text.

Singt es einmal mit dem Text vor euch.

Und das wars auch schon.

Bis morgen!

Wann haben Sie zuletzt gebetet?

Davon abgesehen, dass Gott sich über die Maßen freut, wenn Sie mit ihm/ihr in Kontakt treten, ist beten eines der wenn nicht das wirksamste Mittel, damit es uns gut geht.

Ausprobieren!

Wie?

Eine Übung für heute: Schreiben Sie 10 Dinge/Ereignisse …auf, für die Sie heute dankbar sind. Lesen Sie die Liste Gott vor. Formulieren Sie in Gedanken oder Worten einen Satz, den Sie ihm/ihr sagen.

Das wars schon.

Wie gesagt: ausprobieren!

Vor ein paar Tagen habe ich folgendes Buch fertiggelesen: „Die Stille der Frauen“ von Pat Barker.

Der Stoff der Ilias, erzählt aus der Sicht der Briseis. Höchst spannend! Ich habe das Buch kaum aus der Hand gelegt. Natürlich: düster, traurig … außerdem weiß man, wie die Geschichte ausgeht.

Besondere Erkenntnis: Die Menschen damals bzw. die Figuren im Buch beten oft. Briseis‘ Kommentar: Aber die Götter hören nicht, sie hören nicht auf einfache Menschen, sie erhören niemals die Gebete von Sklaven …

Ein immenses Glück, in der Tradition der Bibel aufgewachsen zu sein! Gott hört nicht auf die Gebete von Sklaven?

Ich weiß etwas anderes:

„Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen …“ Ex 3,7-8a

Das Buch gibt es z. B. bei Thalia, Libro und in jedem guten Buchgeschäft.

Predigt                                                            29. 8. 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Jesus meint, es ist wuscht, ob wir uns die Hände waschen? Kann das sein Ernst sein?

Eher nicht, oder?

Wir haben in den vergangenen eineinhalb Jahren gelernt, wie wichtig es ist, sich die Hände zu waschen – ja zu desinfizieren… wir sitzen mit einem Mundnasenschutz in der Kirche, weil wir niemand unwissentlich anstecken und gefährden wollen.

Wir haben aber leider auch erlebt, wie sich manche Menschen als Kontrollore aufspielen, und zwar nicht, weil sie um die Gesundheit der Menschen besorgt sind, sondern weil sie andere kontrollieren, sekkieren, schikanieren wollen. Das ist nicht ok. Jesus möchte, dass wir lieb und gut miteinander umgehen.

Die Bibelgelehrten damals haben sich enorm bemüht, sämtliche Gesetze, Reinheitsgebote der Heiligen Schrift bis ins Kleinste auswendig zu kennen – und sie haben bei ihren Mitbürgern peinlich genau darauf geachtet, ob die sich an alles halten. Ursprünglich wollten sie vermutlich Gott eine Freude damit machen. Aber zur Zeit von Jesus war es schon lange so, dass sie ihr Wissen und ihre Macht ausgespielt haben, missbraucht, dazu benutzt, die anderen zu sekkieren und zu schikanieren.

Und genau das möchte Jesus nicht.

Erinnert euch, dass es zuerst darum gehen muss, wie ihr im Herzen vor Gott dasteht, will er sagen – dass ihr lieb und gut seid zueinander, verständnisvoll und hilfsbereit… natürlich ist es vorteilhaft, sich die Hände zu waschen und alles sauber zu halten, Geschirr, Kleidung, Sachen … aber es gibt etwas, was noch wichtiger ist.

Wer erinnert sich an die Geschichte von den Geschenken für Tante Gusti?

Es waren doch drei gleiche Geschenke. War da vielleicht doch ein Unterschied dabei?

Ja, genau: Ein Kind wollte der Tante echt eine Freude machen mit der Karte.

Dem 2. Kind ist nichts Besseres eingefallen, es hat sich gedacht gute Idee, und es nachgemacht. Und das dritte Kind wollte sich nicht anstrengen und hat einfach irgendwas gemacht…und gedacht, es fällt bestimmt nicht auf.

Jesus möchte uns ermutigen, im Herzen ganz echt zu sein. Reden und Tun sollen zusammenstimmen.

Menschen können so schief und verbogen sein  – durch ihre Erfahrungen, Erziehung oder Gewohnheit …, dass ihnen das selber nicht mehr auffällt. Sie nennen sich christlich und sozial und treten gleichzeitig das Evangelium mit Füßen. In 9 von 10 Fällen …

Gott möchte es so – nicht wegen sich, sondern unseretwegen. Wir werden nicht glücklich, wenn wir halbherzig oder ein bisschen verkehrt herum irgendwas machen nur damit es nach außen für andere gut ausschaut.

Das wichtigste ist, dass uns Gott total wichtig ist, dass wir viel mit Gott reden, an ihn denken –  und wir unsere Mitmenschen so liebhaben wie uns selbst, dass sie uns so wichtig sind wie wir uns selber wichtig sind.

Gott interessieren Äußerlichkeiten nicht, wie beliebt und angesehen wir sind, wie reich wir werden, … unser Image – das Bild, das wir gern von uns vermitteln würden. Es zählt einzig, dass wir es ehrlich meinen mit dem Gutsein, und dass wir das Richtige tun.

Sensationell – der Leseabend mit Musik heute in Pucking – St. Leonhard.

„Briefe aus dem Exil“ – es ging um Hugo Kauder und Erich Zeisl , zwei weltbekannte Komponisten aus Wien, die zuerst Österreich, dann Europa aufgrund ihrer jüdischen Abstammung 1938 verlassen mussten.

Untermalt, begleitet, vertieft durch Klezmermusik – jüdische, jiddische, Anklänge deutlich zu hören.

Die Texte waren recherchiert und vorgetragen von Karin Wagner.

Veranstalter: Der Kulturverein St. Leonhard, dessen Mitglied ich als Seelsorgerin der Pfarre Pucking bin.

Leute, Hut ab: Ich bin stolz auf euch, dass ihr diese Veranstaltung nach Pucking gebracht habt!

Hörtipp: Requiem Ebraico von Eric Zeisl, auf Youtube

Heute habe ich zweimal etwas erlebt, wo ich mir gedacht habe: Muss das sein?

Ich schaute kurz in die Lunzer Pfarrkirche – drinnen zwei Damen, in ein Gespräch vertieft. Laut, privater Austausch. Mundnasenschutz trugen sie beide nicht. Ich ging möglichst weit von ihnen weg, ihr Austausch von Neuigkeiten war jedoch nicht auszublenden, einfach zu laut, zu gut konnte man mithören. An Gebet oder nur kurzes Aufatmen – wozu man halt kurz eine Kirche betritt – war nicht zu denken. Die beiden dachten jedenfalls auch nicht daran, dass dies vielleicht gewünscht sein könnte …

Kurz nachdem sie hinausgegangen waren, kam ein Paar ohne Mundnasenschutz. Sie holten sie welche aus dem Auto, dann kamen 6,7 Personen – keine jungen, wahrscheinlich eine Pensionistenreisegruppe … die Hälfte mit Maske, die andere Hälfte ohne … Ich verließ die Kirche … kurz vor dem Ausgang bemerkte ein Senior ziemlich selbstgefällig mit einem abschätzigen Blick auf meinen Mundnasenschutz: Na, man braucht ja doch in einer Kirche keine Maske mehr …

Einige seiner KollegInnen widersprachen ihm zwar gleich, aber mir war das auch zuviel. Ich habe ihm erklärt, was Sache ist. Ob ers geglaubt (!) hat, kann ich nicht beurteilen…

Es wundert mich nicht, dass die Infektionszahlen im Steigen begriffen sind.

Nur: ich, ich, ich … ob das für andere ok ist, ist wurscht. Keine Ehrfurcht vor der Gesundheit und dem Wohlbefinden anderer Menschen. Und selbst nicht vor dem Gesetz bzw. vor der kirchlichen „Hausordnung“ wenn man so will, den Instruktionen der österreichischen Bischofskonferenz.

Liebe Brüder und Schwestern!

Das, was die Menschen da so unerträglich finden; Jesus hat ja gesagt: Wer mein Fleisch ist, wird in Ewigkeit leben. Für die frommen Juden damals eine immense Zumutung. Sie stellen sich da Kannibalismus vor – und sie merken auch, dass Jesus von seiner eigenen Göttlichkeit spricht, und beides ist absolut tabu …

Aber ich möchte heute zur Lesung etwas sagen.

Wahrscheinlich haben Sie sie schon öfter gehört, und das starke Bedürfnis gehabt, auf der Stelle aufzustehen und die Kirche zu verlassen… Mir ist das selber einmal so gegangen, im Urlaub, diese Stelle wurde vorgelesen, und ich war schon weg.

Wieso stehen solche Worte überhaupt in der Heiligen Schrift? Ist ja heilig, also wichtig und wahr … oder?

Die biblische Theologie spricht von einer Hierarchie der Wahrheiten. Auf Rang 1 ist einmal das, was wir auch im Glaubensbekenntnis aufsagen – und das Beispiel, das Jesus mit seinem Leben und Reden gegeben hat.

Dann gibt es Historisches und spirituell Erbauendes, Weisheitsworte und gute Ideen.

Und unter ferner liefen rangiert alles, wo wir wissen, dass es zeit- und kulturbedingt ist. Z. B. war eben zur Zeit der Bibelautoren noch nicht bekannt, dass die Erde ein Planet ist … oder die Forderung im AT, Andersgläubige und Ketzer seien zu töten oder die ganzen Speise- und Reinheitsvorschriften des Judentums.

Man könnte es so ausdrücken: die wussten es damals halt nicht besser.

Was bei Texten wie dem heutigen Lesungstext aufregt: Die wussten es durchaus schon einmal besser. Die Autoren oder der Autor dieses Abschnitts – es handelt sich nicht um Paulus, aber in der Antike galt es als guter Ton, in der Tradition eines großen bekannten zu schreiben unter dessen Namen, heute würden wir sagen, das ist eine Fälschung oder der maßt sich etwas an…

Paulus redet noch ganz anders: Frauen sollen ein Kopftuch tragen, wenn sie predigen, das Evangelium verkünden oder sich die Haare schneiden lassen – oder: Es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Mann und Frau., alle sind 1 in Christus, d. h. Geschlecht und Volkszugehörigkeit sind absolut wurscht vor Gott. Äußerlichkeiten. Und diese spielen keine Rolle angesichts der Erlösung und Neuschöpfung durch Christus.

Und jetzt in der 2, Generation nach Jesus passiert etwas, das die Kirche jahrhundertelang geprägt hat.

Die Anhänger der neuen Jesusbewegung werden immer zahlreicher. Langsam fallen sie auf in ihrer heidnischen Umgebung. Und es fällt ihnen auf, dass sie auf Unverständnis stoßen: In der Urkirche predigen Frauen, missionieren, leiten die Hauskirche, meistens reiche Witwen mit einem großen Haushalt.

Im römischen Reich der Antike war die Situation der Frauen ähnlich wie bei uns oder vielleicht im Englischen Imperium im 19. Jahrhundert. Sie konnten Geschäfte tätigen und ziemlich selbständig agieren, solange sie alleinstehend oder verwitwet waren. In der Ehe waren sie vom Wohlwollen des Mannes abhängig. Im Judentum v. a. am Land war es so wie jetzt im hintersten Orient, z. B. wie es die Taliban gerade wieder einführen oder durchsetzen wollen.

In Rom konnten Frauen sehr reich und einflussreichsein, aber politisch bzw, öffentlich tätig werden konnten sie nicht.

Und jetzt geschieht etwas in den Christengemeinden: Man will anerkannt sein bei den Menschen der Umgebung, die Interesse zeigen – und passt sich an. Das, was Jesus gesagt und getan hat – naja, müssen wir ja nicht ganz so extrem betreiben, nicht wahr?

Es ist der feministischen Theologie der 70er und 80erJahre zu verdanken, dass diese Erkenntnis in die offizielle katholische Theologie gekommen ist.

Die Autoren des Epheserbriefes und andere haben allerdings eines gemacht: Sie haben die Liebe betont. Wir wissen: Menschen haben damals genauso wenig oder selten geheiratet, weil sie sich ineinander verliebt haben wie bei uns bis vor 100 Jahren … und die Männer sind nicht besonders rücksichtsvoll mit ihren Frauen umgegangen im Normalfall.

In diesem Text mit seiner ausgesprochen schrägen Beweisführung – was hat der Umstand, dass Jesus das Haupt der Kirche ist, mit dem Geschlechterverhältnis zu tun? – aber die Autoren benützen das, um liebevolles Verhalten einzufordern.

Ein bissl christlicher Humanismus statt der authentischen jesuanischen Botschaft von der Gleichwertigkeit aller Menschen.

Sie haben, so hoffe ich, nicht geahnt, dass sie 1900 Jahre die Predigt oder Vorstellung von der Zweitrangigkeit der Frau einzementiert haben … In Österreich haben wir erst seit 1986 keine Familien- oder Haushaltsvorstände mehr …

Wenn wie in der Bibel etwas entdecken, wo wir uns denken na servas, dann bleiben wir bei unserem Gefühl des Unbehagens. Die Texte sind heilig, aber nicht, weil sie oberstes Gebot oder absolut richtig sind, – wir stellen uns Gott oft so vor wie die Taliban. Sie haben sich ein Bild von Gott gemacht nach ihrem eigenen: Sie sind das männliche Oberhaupt, das keinen Widerspruch duldet, und Gott ist noch viel mächtiger, also gilt das bei ihm (IHM!) umso mehr …

Widersprüchlichkeiten sollen uns anregen v. a. zum persönlichen Gebet: He, Jesus, mich beutelts, wenn ich das lese oder höre – was soll das? Er schickt dann den Heiligen Geist, und wir kommen drauf.

Predigt                                                                   Mariä Himmelfahrt 2021

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

Es sind gerade 10 Tage her, seit die Olympischen Spiele wieder vorbei sind. Ein sportliches Großereignis, das alle 4 Jahre stattfindet. Menschliche Verkörperungen von Gesundheit, Kraft und Geschicklichkeit, Durchtrainiert sein … waren in den Medien präsent.

Überhaupt brauchen wir auch sonst das ganze Jahr über nur die Zeitung aufmachen oder den Fernseher aufdrehen, und sofort springen einem die Bilder von Jugend, Schönheit, Fitsein bis ins hohe Alter … ins Auge.

Die modernen Mythen sind das – früher handelten Märchen und Sagen von Jungbrunnen oder verschiedenen Geheimnissen, die ewiges Glück versprachen.

Und wenn wir schon bei Olympia sind: In der griechisch-römischen Antike rechnete man übrigens damit, dass die Sieger der Bewerbe als Gottheiten unter die Himmlischen aufgenommen würden – als neue Gestirne am Götterhimmel.

Die Sehnsucht nach Unvergänglichkeit, nach Unzerstörbarkeit ist so alt wie die Menschheit selbst.

Und Gott, so meine ich, versteht diese Sehnsucht zutiefst, ja ich meine, hat sie uns selbst ins Herz gelegt – eine Ahnung und ein Wissen, das wir uns bewahrt haben – wie es eigentlich ausschauen soll – dass Gott uns liebt und deswegen auf ewig bei sich haben möchte…

Jetzt feiern wir heute, dass Maria aus Nazaret körperlich bei Gott anwesend ist, in seiner Dimension. Schwer vorzustellen? Vielleicht erinnern wir uns an die Sonntage nach Ostern, wo immer es ständig darum geht, dass der auferstandene Jesus den Jüngern und Jüngerinnen begegnet: Sie konnten ihn angreifen, spüren, der Thomas greift in die Wunden – Jesus konnte essen und trinken, er muss das nicht mehr tun, aber es ist offenbar möglich.

Wir alle werden das einmal an uns selber erleben, wie das ist. Wir glauben ja an die Auferstehung des Fleisches – die Materie, die ohnehin physikalisch gesehen zu 99,9 % aus luftleerem Raum besteht, in dem die Elektronen kreisen, wird in ihren erlösten Urzustand zurückkehren oder neu einen solchen annehmen, und dann gibt es keinen Unterschied zwischen Diesseits und Jenseits mehr …

Ich denke, vielen von Ihnen ist bekannt, wann das Dogma von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel verkündet wurde: …

Sinnvollerweise fast direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges, nach dem größten Morden in der Geschichte der Menschheit. Auch um eindrücklich festzuhalten: Alle die unschuldig Ermordeten in den Konzentrationslagern, die vorwiegend zum gleichen Volk gehörten wie einst Maria, die Opfer der Bombenangriffe und des anschließenden Hungers sind nicht weg und für immer vernichtet und von der Bildfläche verschwunden, sondern befinden sich gut aufgehoben bewahrt und lebendig in der unmittelbaren Nähe Gottes.

Wie heutzutage die Ertrunkenen im Mittelmeer, die ihrer nun neu ihrer Lebens- und Entwicklungschancen beraubten Mädchen in Afghanistan, die ermordeten Frauen in Österreich und weltweit, die abgetriebenen Embryonen weiblichen Geschlechts in China – um nur einige Beispiele zu nennen – sie alle halten sich in der Gegenwart Gottes auf als seine nächsten Verwandten und Bekannten.

Es wäre der Mühe wert gründlich darüber nachzudenken, wie das sein wird, sobald ihre Mörder und Misshandler ebendort eintreffen …

Jedenfalls werden sie damit konfrontiert, dass es bei Gott keine unwichtigen Menschen gibt oder welche, die weniger wert wären …

Aber bleiben wir bei uns – hier und heute.

Unser Leib ist heilig. Wir sind unser Leib, wir sind unsere Seele, unser Bewusstsein – wir sind ein Teil der Natur.

Und in ebendieser Natur finden wir alles, was wir zum Leben brauchen. Zum Beispiel höchst nützliche und wirksame Heilpflanzen. Ein Geschenk des Himmels. Und oft umsomehr gerade die, die wir normalerweise nicht beachten oder als Unkraut klassifizieren.

Löwenzahn, Brennessel, Schafgarbe, Beifuß, Spitzwegerich, Augentrost, Holler …

Gott hat die Absicht, dass es uns gut geht und dass wir glücklich sind. Freuen wir uns darüber.

Es gibt eine ganz neue Tendenz: Weiße (nun ja, helle halt, Europäer o. ä.) Menschen dürfen sich nicht für dunkelhöutige engagieren – weil: erst recht Rassismus.

Männer dürfen sich nicht für Frauenrechte einsetzen oder zu Wort melden, – weil: erst recht Sexismus.

Wahrscheinlich existieren noch mehr Varianten …

Meine Meinung. Man kanns auch übertreiben.

Im Geiste Jesu: wer sich engagiert nach bestem Wissen und Gewissen, ist willkommen und bewirkt etwas. Gottes Ruach macht vollkommen, was an unserem wollen und tun unvollkommen sein mag.

Daran glaube ich.

Und: Liebe ist wichtiger als Korrektheit. (steht in der Bibel)