Am 2. und 3. Mai war ich beim Kongress für christliche Führungskräfte im Stift Göttweig.

Thema: „Das richtige Maß finden“. Es ging viel um das Gewissen.

 

Schaut auf die Homepage des Forums:

www.wertevollfuehren.at

Zitat: Das Forum christlicher Führungskräfte versteht sich als Vereinigung von Unternehmerinnen, Unternehmern und Führungskräften, die sich in ihren beruflichen Tätigkeiten und in ihrem Leben an den Werten des christlichen Glaubens ausrichten.

 

Wie findet ihr das richtige Maß, wenn es um die Frage ja oder nein, zuviel oder zuwenig, … geht?

Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Wir lesen das manchmal in der Zeitung, oder wir hören es in den Nachrichten: Der bekannte Politiker XY, … irgendwas ist vorgefallen, ein besonderer Misserfolg meistens,  – zieht sich ins Privatleben zurück.

Es reicht.

Jetzt mach ich das, mit dem ich mich von Jugend an auskenne, ich geh auf Nummer sicher, da kann nichts schief gehen, ich will meine Ruhe haben.

 

Ich kenne das heute wieder von einer Reihe hochgradig engagierter Menschen in der Kirche, die sich ins Privatleben zurückziehen – ehemalige Pfarrgemeinderäte, Religionslehrerinnen, Vorsitzenden von kirchlichen Gremien.

Begeistert waren sie in den Anfängen, der Aufbruch des 2. Vatikanischen Konzils, wohl auch die eigene Jugend damals, die Hoffnungen und Erwartungen, die sich knapp vor ihrer Erfüllung zerschlugen … Die Lage in der Kirche ist jetzt so –dass sie sich einwintern und warten auf bessere Zeiten.

 

Lassen wir uns heute von Jesus ermutigen. In seine Auferstehung hineinehmen.

 

Er lässt sich auch bei uns etwas einfallen – wir sind für ihn heute so wie die Jünger im Evangelium damals.

 

Es heißt, die Jünger fingen in dieser Nacht nichts.

Im neuen alten Privatleben, obwohl Profis, da spüren wir: es passt nicht.

Allein und irgendwie nicht recht am Platz – verlassen fühlen wir uns, fühlen sie sich.

 

Aber dieses Gefühl täuscht.

Jesus steht schon am Ufer – keiner weiß wie lang schon , und schaut zu. Voll Anteilnahme, Interesse, bereit zu helfen – aber noch unbemerkt.

 

Er ist schon längst da, aber wir bemerken ihn nicht und wursteln selber weiter.

Das „Ufer“ ist ein archetypischer Begriff für die Nahtstelle zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt.

Im Privatleben, in dieser materiellen, sichtbaren vertrauten Welt, in die wir uns flüchten wollen, in die wir uns enttäuscht zurückziehen, ist der Zugang schwieriger zur himmlischen Hilfe. Erst wenn wir scheitern, keinen Erfolg haben in ihr, wenden wir uns dem Tor zu, das offen ist, dem Herrn, der wartet.

 

Dann erst tun sie, die Jünger, was er sagt. Und dann liegt Segen darauf – der Erfolg ist überreich, entgegen allen Erwartungen, zur unrechten Zeit,

müde und erschöpft von der durchgearbeiteten Nacht.

Die langjährige Berufserfahrung der Profis spricht dagegen.

Naturgesetze, menschliches Planen, die Statistik.

 

Gott steht da drüber. Seine Pläne und Gedanken sind nicht die der Menschen.

 

Jederzeit ist eine Wende zum Guten möglich. 153 Arten von Fischen waren damals zur Zeit Jesu in der Tat bekannt – das heißt, die Jünger fangen alles, was es zu fangen gibt – die ganze Fülle Gottes steht ihnen zur Verfügung.

 

 

Es geht ums Vertrauen – vielleicht fragen wir uns, warum gerade Petrus der sein soll, der sich um die anderen mehr kümmert. Gerade der, der Jesus verleugnet hat, der Draufgänger, der mit dem großen Mundwerk, frisch drauf los und dann weder schnell verzagt – probiert viel und versagt auch oft. Gewaltbereit, verteidigt Jesus mit dem Schwert … Es ist gerade er, der nicht abgehoben ist von der Realität, der allzumenschliche, der weiß, was Menschen brauchen – er wird barmherzig sein mit dem Versagen und den Menschlichkeiten der anderen.

Es geht im Reich Gottes und bei Jesus eben nicht um Perfektsein, sondern um das Menschliche, das Wiederanfangen nach dem Scheitern.

Gott zutrauen, dass er genau mich braucht trotz meiner Fehler und gerade wegen meiner Schwächen.

Mit Gott, in der Gnade, werden unsere Schwachpunkte genau die Werkzeuge, dass etwas gelingen kann.

Überlegen wir, was das bei uns sein könnte.

 

Wenn wir Jesus lieben, werden unsere Schwächen zu Stärken, zu Charismen, sind genau das Richtige für die Lösung eines Problems, für das Gewinnen neuer Jünger …

 

Ohne Jesus nützen unsere Stärken nichts, sind zwecklos, bewirken nicht das Geringste.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Selig, die nicht sehen und doch glauben.

Der Satz ist so oft gesagt worden, und wir haben ihn, vermute ich, so oft gehört, dass wir gar nicht mehr drüber nachdenken, was er eigentlich bedeutet.

 

(Denn, und das behaupte ich hier und heute: Aus dem Zusammenhang gerissen und falsch vermittelt ist er absolut verkehrt.)

 

Zuerst müssen wir fragen: an wen richten sich diese Worte? – An die Apostel jedenfalls nicht, denn die haben Jesus sehr wohl gesehen, live erlebt, wie es bei uns heißt, vor dem Tod und nach seiner Auferstehung.

Die Worte richten sich an die Leser- und Hörerschaft des Evangeliums, an die nachgeborenen, die Jesus als er in Israel lehrte und heilte, nicht begegnet sind. Die, denen das Evangelium verkündet wird vom Jahr 38 nach Christus bis zum Weltende. Das „Selig, die nicht sehen und doch glauben“ richtet sich – z. B. – an uns.

 

Was ist das überhaupt: „glauben“?

Glaube hat die Dimension des Fürwahrhaltens – es gibt ein Glaubenswissen. Die Aussage des Evangeliums: Jesus ist Gott in Person und von den Toten auferstanden“ können wir nur glauben – oder eben nicht.

Oder den Umstand: dass Gott uns über alles liebt und uns erlöst hat – …

 

Aber, eines müssen wir nicht: Wir brauchen nicht ins Leere und Blaue hinein glauben.

 

Glauben hat die Dimension des Vertrauens. Das hat was mit Liebe zu tun, mit Gefühl und einem persönlichen Naheverhältnis. Wenn wir jemandem Vertrauen schenken, dann haben wir, wenn wir gesund und normal und vernunftbegabt sind, in der Regel allen Grund dazu.

 

Liebe Brüder und Schwestern, Jesus verlangt in keiner Weise von uns einen blinden Glauben.

 

Im Gegenteil.

Wir Christen haben den Vorteil, dass wir unserem Religionsgründer jederzeit und überall begegnen können. Das Problem ist, dass wir ihn hier in dieser Dimension nicht SEHEN können – und deswegen sind wir selig, wenn wir es trotzdem versuchen und für möglich halten, dass der direkte Kontakt möglich ist.

Glaube ist für Christen lebendige Beziehung mit Christus. Ja, es kommt etwas zurück – da können wir uns bei den großen Mystikern und Mystikerinnen der Kirchengeschichte vergewissern, was und wie viel.

 

Und Christentum bedeutet noch mehr: Das Zentrum des heutigen Evangeliums sind die Worte, die Thomas zum Schluss sagt: „Mein Herr und mein Gott!“ Das ist ein Glaubensbekenntnis.

 

Christ sein heißt, Jesus als Herrn zu übernehmen.

Meinungen anderer Menschen, Systeme, Karma – Schuldverstrickung – haben keine macht über uns.

Mich in allem nach ihm zu richten, nach seiner Meinung zu fragen, mit ihm mich austauschen über die Themen und alle Belange meines Lebens.

Arbeit, Familie, Gedanken, Freizeit, was ich lese, wohin ich gehe, was ich sage, gesellschaftliche, kulturelle, politische Tätigkeit … was ich esse und anziehe.

 

Christ sein bedeutet, zu diesem Herrn zu stehen, komme, was da wolle. Dann stellt sich die Frage nicht, ob ich am Sonntag in den Gottesdienst gehe – er lädt mich zu seiner Party – Auferstehungsparty – ein. Wie könnte ich da weg bleiben? Es stellt sich die Frage nicht, ob und wie ich bete – weil es unvorstellbar ist, mit jemandem, mit dem ich das Leben teile, nicht regelmäßig zu reden.

Es stellt sich die Frage nicht, ob ich die 10 Gebote einhalte oder mich nach dem Katechismus richte – denn wenn mir Jesus so wichtig ist, dann geht es doch gar nicht anders als ständig zu fragen was er dazu sagt … wenn ich jemanden liebe, werde ich dann machen, was den bestimmt kränken wird? … na eben.

 

Ja, und ich werde merken, spüren, dass Jesus wirklich da ist.

Er ist lebendige Person und zeigt mir ständig, wie gern er mich hat. Dinge gelingen. Sogenannte „Zufälle“ ereignen sich. Hass und Ärger verflüchtigen sich, Versöhnung, Friede wird möglich. Heilung geschieht. Ich weiß, was ich wissen muss, im richtigen Moment. Freude an der Arbeit, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl. Sinn.

Plötzlich alles da.

 

Das Christentum ist eine Erfahrungsreligion, eine Religion der Praxis.

Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb.

 

Karl Rahner hat gesagt: Der Christ des 21. Jahrhunderts wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein.

Die Frage, warum die Kirche schrumpft, stellt sich nicht.

Wer von uns lebt in einer Schicksalsgemeinschaft mit Christus, hat ihn als Freund und Herrn angenommen – so wie ich das vorhin beschrieben habe?

Christentum ist eine Erfahrungsreligion.

Menschen wollen es sehen und erleben, wie andere dieses Christsein leben, damit sie es nachmachen können.

 

Liebe Brüder und Schwestern: Auf geht’s.

Einst lebten einige Frösche in einem kleinen Brunnen am Rande eines alten Dorfes, das schon lange von den Menschen verlassen war. Tagaus, tagein lebten sie innerhalb dieser engen Mauern, doch beschwerten sie sich nicht, weil sie ja gar nichts anderes kannten. „Es ist einfach so“, sagten sie, „das hier ist unsere Welt.“

Tagaus, tagein wanderte die Sonne über den Himmel, und zur Mittagszeit fielen ein paar warme Sonnenstrahlen in das stehende Wasser. Die Frösche beachteten dies nicht weiter.

 

Eine junge Fröschin war jedoch unter ihnen, die sich schon lange wunderte, woher die Sonne kam und wohin sie ging, wenn sie nicht mehr über dem Brunnen war. „Es muss doch noch etwas anderes geben als dieses enge Gefängnis“, dachte sie.

 

Sie sprach mit den anderen Fröschen darüber, aber die wollten lieber ihre Ruhe haben. Manche lachten sie aus und meinten: „Das sind Träume, die nichts bringen. Außer diesem Brunnen existiert nichts.“

 

In der Morgendämmerung, als alle noch schliefen, machte sie sich auf den Weg, um nach der Heimat der Sonne zu suchen. Es war nicht leicht, den Brunnenrand zu überwinden – aber mit einiger Mühe schaffte sie es auf den Brunnenrand.

Voller Staunen betrachtete sie, was es alles gab.

Dann hüpfte sie des Weges.

Nach vielen Tagen, an denen sie manchmal beinahe verhungert, verdurstet oder gefressen worden wäre oder vor Erschöpfung nicht mehr weiterkonnte, sah sie ein seltsames Glitzern in der Ferne.

Dorthin wollte sie, und kurz vor Mittag, als die Sonne schon ganz oben am Himmel stand, da sah sie es vor sich – das Meer. Wasser, so weit sie sehen konnte.

Sie hüpfte und freute sich. Und so kam ihr plötzlich der Gedanke: „Das muss ich den anderen Fröschen sagen. Ich darf das nicht einfach für mich behalten. Sie alle können frei sein und diese Herrlichkeit und Schönheit und Grenzenlosigkeit des Ozeans erleben und erfahren.“ Und so hüpfte sie zurück zu dem alten Brunnen, um die gute Nachricht zu verbreiten.

 

„Frösche!“, rief sie. „Ich war da draußen und dort gibt es ein riesiges Wasser. Es ist wunderschön und unendlich, ohne Mauern, ohne Anfang und Ende.“

 

Und wie bei den Menschen, wenn jemand etwas verkündet, das den normalen Horizont übersteigt, gab es drei Arten von Fröschen: Die einen, die nichts davon hören wollten. Andere, die zwar vielleicht gerne wollten, sich aber nicht trauten, denn es war ja doch alles so ungewiss und anstrengend.

Und die dritten, die sich, in einer der folgenden Nächte, wagemutig auf den Weg machten. Aber das waren sehr wenige.

 

Als der menschenverlassene Brunnen kurze Zeit später vollständig austrocknete, waren sie die einzigen, die am Leben blieben.

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Heute war die Versöhnungsfeier für die Firmlinge des Dekanats Eferding.

Wunderbar gestaltet, gut organisiert, sehr berührend, wie manche Jugendliche, die zeitweise nur kichern konnten, von der Vergebenszusage offensichtlich ergriffen waren,mitgenommen ins Heilsgeschehen von Jesus.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung.

 

Frage:

 

Was bedeutet „Vergebung“ für dich?

Wo hast du sie erlebt?

Wo wünscht du dir Vergebung, Versöhnung, Neuanfang?

WEM ist zu vergeben?

Das Seminar „Kreativitätstraining“ beginnt am 31. Mai um 9.00 und endet am 1. Juni um 19.00.

Kosten: EUR 250,- (Frühbucher bis 30. 4. EUR 220,-)

 

s. auf dieser Website unter „Termine“

Heute war ich beim Begräbnis einer lieben Bekannten und langjährigen engagierten der Pfarre in Braunau, beim Begräbnisgottesdienst in der Pfarrkirche St.Franziskus, wo ich lange Jahre, bis Herbst 2018, Pfarrassistentin war.

Es ist alles bestens organisiert, funktioniert einwandfrei, die Leute haben sich neu formiert, die Feier war wunderbar, abgesehen von der Trauer …

Ich war auch nicht mehr traurig, nicht mehr dort zu sein. Oder: Kaum mehr traurig.

Es passt nicht mehr, es hat voriges Jahr genau gepasst, aufzuhören.

Und: Ja, ich glaube an die göttliche Führung.

 

Es wird immer interessanter und spannender, in anderen Pfarren auf neue Entwicklungen hinzuarbeiten.

Beten hilft.

Natürlich.

 

Habens Sie es schon einmal ausprobiert?

 

Am Samstag vor dem Palmsonntag wachte ich mit starken Halsschmerzen auf.

Ich informierte mich, welcher Praktische Arzt Wochenenddienst hatte und stieg ins Auto, um von Eferding nach Aschach zu fahren. Im Auto wollte ich meine E-Card aus der Handtasche kramen, damit ich sie gleich parat hätte.

Das rote Täschchen, in dem sich meine Karten befinden, war nicht da.

Fieberhaft überlegte ich, und mir fiel ein: Tags zuvor, um dreiviertel fünf ungefähr, hatte ich sehr gestresst bei einer Tankstelle getankt, beider 2 Zapfsäulen außer Betrieb waren. In der Eile musste ich das Kartentäschchen – ich hatte die Bankomatkarte zur Zahlung benötigt – ausgestreut haben. Klar betete ich auch!

Kurz überlegte ich, zur Tankstelle zu fahren, um mich auf die Suche zu machen.

Ganz deutlich spürte ich aber: Fundamt. Polizei.

Ich fuhr also zur Polizeistelle in Aschach. Als ich mich dem Eingang näherte, läuteten gerade zwei junge Leute an und wollten mein Täschchen abgeben,das sie kurz zuvor gefunden hatten. Glücklich und dankbar hielt ich meinen kostbaren Besitz wieder in meinen Händen.

Das Pärchen wollte keinen Finderlohn.

Ich gab ihnen meine Visitenkarte und lud sie ein, wenn sie Lust auf Urlaub in Lunz am See hätten, diesen in meinem Haus zu verbringen.

 

Halleluja!

 

Übrigens war ich dann beim Arzt, nahm drei Tage ein Antibiotikum und war dann auch gesund.

Langer Spaziergang …

 

Heute hören wir das Evangelium von den 2 Jüngern, die nach Emmaus unterwegs sind.

Eigentlich hat jede Messfeier mit dem Emmausgang große Ähnlichkeit.

Zuerst das Ankommen, so wie wir da sind – mit den Erfahrungen der letzten Zeit, den guten und niederdrückenden, mit Freude und Erfolg, Schuld und Angst.

Dann begegnet uns Jesus Christus in der Schrift – beginnend mit dem AT bis zum Evangelium.

In der Auslegung sollen wir einen neuen, göttlichen Blickwinkel bekommen: Wer ist Jesus und was hat er mit für mein Leben individuell und für die Gemeinschaft der Pfarre, der Stadt, des Landes usw. zu bedeuten

Schließlich wird aufgetischt – das Brot gebrochen. „Brotbrechen“ war in der Zeit der Apostel der Name für das, was wir mit „Messe“ oder „Eucharistiefeier“ bezeichnen.

Und zuletzt sind wir gesandt, wieder nach Hause zu gehen, in unserem Lebensbereich zurück – um unsere Erfahrung, die wir gerade mit Jesus gemacht haben, mit anderen zu teilen, unsere Mitmenschen zu stärken, aufzurichten in Tat und Wort.

 

Wir sind heute eingeladen, diese 5 Stationen nachzuerleben.

Ich habe einen Weg gelegt durch unseren Gottesdienstraum. An den entsprechenden Orten der Messe werden alle oder zumindest eine/r auf diesem Weg eine Anregung finden, der wir Folge leisten können.

 

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

 

Jesus ist auferstanden!

Woher wissen wir das? Woher nehmen wir das Recht, das so laut zu verkünden und heute zu feiern?

Mit wissenschaftlichen Methoden beweisen, dass Jesus auferstanden ist, physikalisch messbar, vielleicht mit Foto, können wir nicht.

Wir dürfen aber glaubwürdigen Menschen, den ersten Zeugen, vertrauen.

 

Maria Magdalena hatte, als sie am frühen Morgen damals die Stadt verließ und zum Grab ging, nicht die Absicht, dem Auferstandenen zu begegnen. Ganz im Gegenteil – sie wollte den Leichnam noch einmal ordentlich salben, nicht so schnellstmöglich am Spätnachmittag des Karfreitag durch Nikodemus und Josef geschehen, vor Sonnenuntergang musste jeder gläubige Jude gewaschen und umgezogen für das Pessachfest zu Hause sitzen.

Sie wollte an Jesus denken, der ihr zum wichtigsten Menschen geworden war, beten, trauern …

Der Stein ist weg, das Grab geöffnet und ohne Leiche. Leer. Geschockt läuft sie zurück zum Abendmahlssaal und alarmiert Petrus, den Sprecher der Jüngerschar. Dann läuft sie wieder mit zurück zum Grab.

Was erwartet sie? Dass der Leichnam doch noch irgendwo auftaucht? Dass Petrus und Johannes eine Spur finden, einen Hinweis, der das Rätsel etwas erhellt?

 

Johannes, der Theologe unter den Evangelisten, schildert als einziger die Begegnung zwischen Maria aus Magdala und Jesus.

Die Situation der Frauen damals in der jüdischen Gesellschaft war ca. so wie die heutige im Jemen oder Oman oder Saudiarabien. Frauen hatten in der Öffentlichkeit nichts zu melden. Sie kamen als Zeugen vor Gericht nicht in Frage. Darum ist es so wichtig, dass Petrus und Johannes dazukommen, das schildert ebenfalls nur das Johannesevangelium.

Die ersten Begegnungen des Auferstandenen mit den drei Frauen am Ostermorgen, diese Begegnung mit Maria und erst recht der Auftrag, die Auferstehung den Aposteln und den anderen Jüngern zu verkünden, so etwas hätte kein kalkulierend denkender Mensch in die Osterevangelien hineingeschrieben, ja nicht einmal weitererzählt. Es wäre irgendwo zwischen den Rubriken irrelevant und unglaubwürdig eingestuft worden.

 

Dass das im Gegenteil als so wichtig gilt, dass es extra betont wird, spricht dafür, dass es wirklich so war.

 

Wo ereignet sich Auferstehung heute, bei uns? Wo können wir Auferstehung erleben? Und wo nicht?

 

Ich habe für heute wieder den kleinen Baum nach vorne gestellt.

Als er noch ganz kahl war, haben wir versucht, ihm ein schöneres Aussehen zu verleihen, wir haben das Bild von der Zukunft dazu entworfen, Blätter und Blüten aus Papier an die Äste gehängt.

 

Oft halten wir das Nichts, den Tod, die Leere und Stille, wo sich vermeintlich nichts tut, nicht aus – und wir verschönern die Situationen, Mit Aktionen und Beschäftigungen, mit Vergnügen, mit Dekomaterial, mit Besitztümern, mit Phantasie … So stellen wir eine Illusion her von blühendem Leben, das aber nicht real vorhanden ist.

Aber Auferstehung ist anders. Es braucht Mut und Geduld. Neues Leben zeigt sich nicht von heute auf morgen.

Wie die Blätter und Blüten ein paar Wochen brauchen und dann plötzlich aufbrechen.

 

Wir sind eingeladen, es so zu machen wie die erste Zeugin.

Wenn wir den Tod in allen seinen Formen nicht mehr leugnen, sondern uns stellen, auf die Gräber schauen, auf das, was unheil ist in unserer Welt, in unserem Leben – Trauer und Schmerz zuerst ernstnehmen, d. h., uns dem hingeben. Weinen und klagen. Gemeinschaft und Austausch mit Gleichgesinnten suchen und pflegen.

Dennoch nicht Erlösung, Lösung der Probleme allein von Menschen erwarten – nur mit menschlichen messbaren Kräften rechnen: Jemand muss den Stein weggewälzt, jemand die Leiche weggeschafft haben. Jemand (kompetenterer, anderer, besserer … kann die Lösung eher herausfinden als ich selber.

Aufhören, hektisch von einem Ort zum anderen zu laufen ohne innezuhalten. Den Aktivismus sein lassen.

Und dann genau hinschauen. Wenn wir uns nicht voll und ganz den Menschen zuwenden, auch und gerade denen, die uns gerade vermeintlich stören – denn in ihnen können wir es unversehens mit Jesus zu tun bekommen.

 

Der Theologe Johannes tut noch etwas: Der Garten, in dem Gott und Mensch von Angesicht zu Angesicht miteinander reden, das ist der Urzustand, wie er in der Paradieseserzählung am Alten Testament angenommen wird. Es ist der Idealzustand. Darauf spielt diese Szene an.

Durch die Auferstehung ist die Ära des Paradieses wieder angebrochen. Die Botschaft aller Propheten erfüllt sich: Gott selber nimmt Kontakt auf mit dem Menschen, tröstet und richtet auf. Das gilt auch uns, heute und hier und weltweit.

Wenn wir offen sind dafür. Und das wünsche ich Ihnen allen und mir.