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Predigt                                                                    Aschermittwoch 2020

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Kinder!

„Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ wird heute – etwas später – gesagt, wenn wir das Aschenkreuz bekommen.

Wieso brauchen wir diese Aufforderung? Wir glauben doch eh an das Evangelium, oder? Wir sind Christen und wir glauben, was z. B. im Glaubensbekenntnis steht.

Wir glauben, dass …

Das Glauben hat aber noch eine andere Richtung: Wem glauben wir – wem vertrauen wir?

Das wird oft übersehen, auch die frommen Juden zur Zeit Jesu haben geglaubt, – und dennoch war Jesus nicht mit ihnen zufrieden.

Offenbar waren die äußeren Aspekte der Religion derart wichtig, dass das Eigentliche zu kurz gekommen ist.

Es war wichtig, sichtbar in der Öffentlichkeit zu beten. An den Straßenecken …

Es war selbstverständlich, öffentlich zu machen, wieviel man an Bedürftige gespendet hat.

Es war üblich, am Donnerstag zu fasten, und wer als besonders fromm gelten wollte, tat dies auch am Montag. Aber das sollten dann auch alle mitbekommen.

Bei den Frömmigkeitsübungen ging es also in erster Linie um das Umfeld – und nicht um Gott.

Jesus mahnt wie die AT Propheten ein, dass es um die persönliche unverwechselbare Beziehung jedes/r einzelnen zu Gott geht.

Und um das Vertrauen, das in diesem geschützten Rahmen wachsen kann. Das Vertrauen, das uns bitten lässt – wie wir es auch gegenüber dem lieben Papa, der Mama tun würden – um Gesundheit, um Frieden, um alles, was wir brauchen.

Umkehren meint: wirklich den Blick und das Interesse auf Gott richten.

Weg von den Äußerlichkeiten hin zu dem, was das Herz angeht.

Umkehren meint auch – wie ich es im Pfarrblatt geschrieben habe, dorthin schauen, was hinter einem selbst liegt. Was sich dort befindet, wo keiner hinschaut.

Dies sind zuerst einmal die Menschen, die hinten sind, im Hintertreffen, die auf der Strecke geblieben sind. Die man nicht gerne sieht, weil sie keinen schönen Anblick bieten. Arm, behindert, fremd, krank, Obdachlose, …

Wir sehen dort, wo wir normalerweise nicht hinschauen wollen, aber noch mehr: die Probleme, die ungelöst unter den Teppich gekehrt wurden. Die Aufgaben, die anstehen, die aber keiner in Angriff nimmt, wo sich keiner die Finger verbrennen will. Das, was zum Himmel stinkt, wo alle einen großen Bogen darum machen. Weil wir damit vermeintlich oder wirklich überfordert sind.

Umkehren bedeutet, genau da überall hinzuschauen, sich dem zuzuwenden.

Wir können das eben tun – insofern wir dem Evangelium vertrauen. Umkehren und neu werden geht nur im Bewusstsein, im Glauben, dass Gott bei uns ist – und ein Interesse daran hat, dass die Probleme dieser Welt gelöst, bewältigt werden.

Beten ist so gesehen keine fromme Übung, sondern überlebensnotwendig – damit wir in der Fülle der Schwierigkeiten nicht untergehen, sondern voll Lebensfreude und Tatkraft tun, was zu tun ist.

Ohne Gott sind wir ziemlich schnell wie so ein leerer Korb – wir haben dann nichts mehr zu bieten und sind damit beschäftigt, uns selber mit Dingen zu versorgen, die wir zu brauchen meinen. Ohne die wir unserer Meinung Nach nicht auskommen.

Dinge, die wir kaufen können, die wir essen und trinken, Anerkennung von außen, Absicherungen noch und noch…

Die 40 Tage der österlichen Bußzeit laden uns ein, unser Leersein, unser Bedürftigsein Gott hinzuhalten im Vertrauen, dass er gibt, was wir brauchen – und noch viel mehr. Gott verwöhnt uns. Wenn wir ihn lassen.

26. Februar 2020
Schlagworte: Aschermittwoch, Blickrichtung wechseln, Hintertreffen, leerer Korb, nach hinten schauen, Predigt, Umkehren
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